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“Inside Llewyn Davis” und das menschliche Denken in Bildern

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Die Struktur der menschlichen Kognition ist von mentalen Bildern und Metaphern geprägt. Die äußere Welt wird verbildlicht, damit der Mensch sie verstehen kann – Abstraktes und Allgemeines wird metaphorisiert, damit man sich darauf beziehen kann. Ohne seine Bilder könnte der Mensch sich keine Vorstellung machen. Ohne sie hätte er keine Realität. Man nehme die Zeit: Sie liegt vor einem, hinter einem, geht vorbei und kommt auf einen zu. Zeit ist ein sich bewegendes Objekt – sie kann “gehen” und “kommen”, sie kann “verfliegen” und “stehen bleiben” – so die zugehörige Metapher, die in unserem Geist verankert ist. Solcherlei konzeptuelle Bildübertragungen und mentale Bildstrukturen formen unsere Realität. Oben ist mehr, unten ist weniger. Oben ist gut, unten ist schlecht, denn weniger ist schlecht und mehr ist besser, so eine von Tausenden Realitätsstrukturen, die auf mentalen Metaphern aufbaut. Gedanken in Bilder zu überführen und Wahrnehmungen zu Bildern zu verarbeiten ist demnach die natürlichste Form menschlichen Erlebens. Der Film wiederum ist eine regelmäßige und lineare Aneinanderreihung von zusammenhängenden Bildern und dass uns die Filmkunst derart nahe steht, liegt nicht zuletzt daran, dass sie unseren natürlichsten Erlebnismechanismus – die Bildverarbeitung – sichtbar macht.

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