Interview mit Sophie Turner (“Another Me”)

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Isabel Coixet, Regisseurin von Erfolgsfilmen wie MEIN LEBEN OHNE MICH, sagt, dass sie einfach alles hat: Die Rede ist von der 17 Jahre jungen Sophie Turner, die mit Erfolgsserie GAME OF THRONES ihren Durchbruch feierte und in Coixets aktuellem Thriller-Projekt ANOTHER ME die Hauptrolle von Teenagerin Fay übernommen hat. Gerade noch gänzlich unbekannt ist Sophie in ihrem ersten Spielfilm bereits an der Seite von internationalen Größen wie Jonathan Rhys Meyers zu sehen. Dessen Co-Stars aus CHRONIKEN DER UNTERWELT wiederum haben jüngst verkündet, dass er seine Filmsets nur allzu gerne mit Musikeinlagen bespaßt. Na, was war denn da los: Wie Sophie berichtet, war sie selbst es, die während der Dreharbeiten zu ANOTHER ME die Crew mit stimmungvollen Liedern unterhalten hat. Auch während unseres Interviews lässt Sophie inmitten der vollen Hotel-Lobby ein Ständchen hören – von Shakira, die sie, wie sie witzelt, einfach hervorragend imitieren kann. Sie will gute Laune verbreiten, so sagt sie, und in der Hotel-Lobby gelingt ihr das gut. Schade, dass sie nie gerne in der Schule war, wo sich ihre Mitschüler über ein Ständchen doch mit Sicherheit genauso gefreut hätten…


Ist das ein stressiger Tag für dich?

Ich bin schon seit mehr als 24 Stunden auf den Beinen. Ich habe gestern in Florida gedreht und bin vom Set aus direkt hierher gekommen, um Interviews zu geben. Vor kurzem erst bin ich angekommen.

Sind deine Eltern von Anfang an mit der Schauspielerei einverstanden gewesen?

Ja, sie waren immer damit einverstanden und fanden es toll, als ich die Rolle in GAME OF THRONES bekam. Ich kann mir meine Projekte aber nicht mit meinen Eltern zusammen ansehen. Das finde ich unangebracht.

Woran liegt das?

Ich hasse es, mich selbst auf dem Bildschirm zu sehen. Ich bin mit meinen eigenen Leistungen niemals zufrieden und begutachte meine Szenen immer sehr kritisch. Wäre das nicht so, dann fände ich das aber auch ziemlich schlimm.

Warum?

Jemand, der mit seinen Leistungen zufrieden ist, hat überhaupt keinen Grund, sich zu steigern. Ich möchte mich immer wieder steigern und ich finde, dass Entwicklungen ausgeschlossen sind, wenn man sich mit dem zufrieden gibt, das man abgeliefert hat. Ich fürchte mich sogar davor, irgendwann zufrieden zu sein und dadurch meinen Antrieb zu verlieren.

Wovor fürchtest du dich im Leben am meisten?

Wahrscheinlich vor dem Ertrinken. Ich habe zwar nie irgendwelche traumatischen Erfahrungen mit Wasser gemacht, aber die Vorstellung von Wassermassen begraben zu werden, macht mir trotzdem die meiste Angst.

Für die Karriere die Schule hinten angestellt. Warst du nie gerne dort?

Nein. Ich war alles andere als eine vorbildliche Schülerin. Als ich jünger war, wurde meine Mutter fast täglich in die Schule gerufen, weil ich selten dort war. Ich habe so gut wie jeden Tag auf krank gemacht und war sehr gut darin, meinen Lehrern etwas vorzuspielen. Einmal habe ich ihnen gesagt, dass meine Mutter mir Kaffee ins Ohr geschüttet hat, um nach Hause gehen zu dürfen (lacht).

Wie bist du zu ANOTHER ME gekommen?

Es lief auf dem gewöhnlichen Wege. Ich habe die Einladung zum Casting bekommen, als ich 16 war. Sie haben meinem Agenten damals das Skript geschickt, ich habe es gelesen und sofort geliebt. Ich wollte unbedingt dabei sein und in der Audition hatte ich wirklich Angst. Isabel Coixet ist eine großartige und sehr nette Person, aber während des Vorsprechens hat sie eine bedrohliche Alternativ-Persona aufgesetzt und das hat mich eingeschüchtert. Nach jeder Szene, die ich gespielt habe, war es totenstill und dann sagte sie nur: Die nächste Szene! (lacht)

Haben sich die Dreharbeiten zu ANOTHER ME mit GAME OF THRONES überschnitten?

Mehrere Dinge gleichzeitig zu machen und ständig von einem zum anderen zu springen, finde ich nicht besonders gut. Ich will mit zu 100 Prozent auf das konzentrieren können, an dem ich gerade arbeite. Wenn ich an GAME OF THRONES gearbeitet habe, dann habe ich mich darauf konzentriert und als wir ANOTHER ME gefilmt haben, habe ich meine ungeteilte Aufmerksamkeit darauf gerichtet.

Hast du Angst, wegen deiner Rolle in GAME OF THRONS in Zukunft Opfer des Type-Casts zu werden?

Ich möchte definitiv nicht auf diese Art von Rolle festgelegt werden und ich will als etwas anderes gesehen werden, als das typische, kleine Naivchen. Ich will mich aber auch nicht unbedingt völlig von meiner Figur in GAME OF THRONES distanzieren. Ich finde, dass ich viel mir ihr gemeinsam habe. Außerdem glaube ich, dass man immer etwas von sich selbst in eine Figur legen muss, damit es realistisch wirkt.

Welche Gemeinsamkeiten teilt ihr?

Ich finde, dass unsere Leben ähnlich verlaufen sind. Als ich mit der Schauspielerei begonnen habe, war ich sehr naiv. Ich wurde in eine fremde Welt geworfen und wusste nicht, wie ich damit umgehen soll. Von allen Menschen, die mir fortan begegnet sind, habe ich aber etwas gelernt und ich glaube, dass ich das mit meiner Figur teile, denn auch sie hat ihre Persönlichkeit über all die Menschen entwickelt, mit denen sie in der fremden Welt in Kontakt gekommen ist.

Wie ist es für dich in so jungen Jahren, auf einem Set im Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit zu stehen?

Wenn ich performe, dann bekomme ich überhaupt nichts davon mit, was um mich herum passiert. Man ist während dem Spielen vollständig im Moment. Man taucht in die Szene ab und vergisst alles andere. Einmal bin ich mit einer Verletzung an der Lippe aufs Set gekommen. Ich konnte kaum reden, weil es so weh getan hat, aber sobald die Kamera lief, habe ich es nicht mehr gespürt.

Pflegst du vor einem wichtigen Drehtag bestimmte Rituale?

Eigentlich nicht. Obwohl ich auf jedem Set versuche, die Stimmung mit Liedern zu heben. Ich bemühe mich eigentlich immer, gute Laune zu verbreiten, indem ich singe, und ich suche mir für jeden Tag ein neues Lied aus, das ich vor mich hin trällere. Besonders gut imitiere ich Shakira (lacht).

Bist du überhaupt nicht abergläubisch?

Doch. Wenn ich zum Beispiel über drei Gulli-Deckel laufe, dann bin ich sehr abergläubisch und rufe “Zwiebel”, um das schlechte Omen aufzuheben. Besonders schlimm ist es, wenn mir das an einem wichtigen Drehtag passiert. (lacht)

by Sima Moussavian in Kooperation mit Silke Vanbeselaere

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