Twisted – Danny Desai ein Soziopath?

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Dass Teen-Mystery Serien boomen, hat sich spätestens mit ABC Family’s High Concept Projekt “Pretty Little Liars” herausgestellt. Wie von einem erfolgreichen Fernsehsender zu erwarten, hat ABC Family nun reaktionsschnell die zweite Serie a la “Pretty Little Liars” ins Rennen geschickt,. Entgegen aller Erwartungen ist jene nicht etwa ein kommerzieller Abklatsch von PLL, sondern geht noch einen Schritt weiter, als “Pretty Little Liars” ihn bisher gehen wollte. Zwar arrangieren sich beide Serien um eine einzige Frage, ist jene in “Pretty Little Liars” aber nicht viel mehr als die nach der Identität von unbekannter Bedrohung A, so ist sie in “Twisted” eine, entsprechend dem Serien-Titel, umso verzwicktere und furchteinflössendere: Ist mein Sohn/der Freund meiner Tochter/mein Kindheitsfreund ein mordender Soziopath?

Schon mit der Eröffnungssequenz der ersten Episode setzt “Twisted” hohe Erwartungen. Ein 11-Jähriger hat soeben seine Tante mit einem Springseil erwürgt – was die Teen-Mystery-Serie eröffnet, könnte genauso gut einem kultigen Horror-Klassiker entstammen. Noch in den Eröffnungsminuten von “Twisted” beschäftigt den Zuschauer jene alles entscheidende Frage, die die gesamte, erste Staffel bestimmen soll: Was stimmt nicht mit Danny Desai – dem 11-Jährigen, der seine eigene Tante erdrosselt? Was ist zwischen den beiden vorgefallen, ist denn etwas vorgefallen oder ist Danny mit seinen 11 Jahren ein mordender Soziopath?

Die Polizei zumindest befindet ihn für gefährlich und verurteilt ihn zu 5-jähriger Jugendhaft. Als Danny nach jenen 5 Jahren wieder in seine Heimatstadt zurückkehrt, nimmt er Kontakt zu seiner eigenbrötlerischen Kindheitsfreundin Jo auf, die sich schnell auf seine Seite ziehen lässt – nicht zuletzt, weil sie Gefühle für den mittlerweile 16-Jährigen entwickelt. Ja, für Jo könnte alles romantisch sein, würde Danny sich nicht viel mehr für ihre ehemals gemeinsame Kumpanin Lacey interessieren. Na ja, und hätte er vor Jahren nicht seine Tante ermordet, sodass er nun nicht ins Fadenkreuz der Ermittlungen geraten würde, als kurz nach seiner Rückkehr das prominenteste Mädchen der Schule ermordet wird, das zum Zeitpunkt des Mordes doch tatsächlich die exakt selbe Halskette trägt, die auch Dannys Tante bei ihrer Ermordung am Leibe hatte. Die gesamte Kleinstadt, darunter seine eigene Mutter, hält Danny Desai für den Schuldigen. Nur Jo überwindet sich, ihm zu vertrauen und verspricht ihm, den wahren Täter zu finden.

Zugegeben: es ist gewagt, eine ganze Serie auf einer einzigen Frage auszubauen, die mit mit einem einfachen “Ja.” oder “Nein.” zu beantworten wäre. Vielleicht aber sollte man “Twisted” genau deswegen umso höher anrechnen, dass seine ersten Episoden durchweg spannend sind und den Zuschauer nichts vermissen lassen – zu allerletzt eine zweite Frage, wenn doch die erste schon nicht beantwortet werden kannt. In erster Linie ist es Avan Jogias Interpretation des Danny, die einen konsequent zwischen Antwort “Ja.” und Antwort “Nein.” hin und her jagt. Dutzende Indizien scheinen dafür zu sprechen, dass Danny 2 Menschen ermordet hat und doch möchte man dem nicht wirklich Glauben schenken – nicht zuletzt, weil es schlichtweg zu einfach wirkt.

So spannend “Twisted” in seinen ersten Episoden auch ist, hofft man doch darauf , dass im Laufe der ersten Staffel zumindest eine Teilantwort auf die Frage nach Dannys wahrer Natur gegeben und zu einer womöglich noch beunruhigenderen Frage übergegangen wird. Glücklicherweise stehen die Chancen nicht einmal schlecht. Vermutlich wird “Twisted” sich tatsächlich nicht in die Schlange all solcher Serien einreihen, die an ihrer Eröffnungsfrage stagnieren. So lässt das Konzept der Serie auf Großartiges hoffen, denn ob Danny sich nun als mordender Soziopath erweist, oder nicht – beide Lösungsmöglichkeiten haben Potenzial, für den Zuschauer zu interessanten Entwicklungen zu werden. Stellt Danny sich als unschuldig heraus, so ergeben sich noch im selben Atemzug mehrere Folgefragen: Wer ist der tatsächliche Mörder und woher hat Danny die Halskette? Erweist er sich dagegen als unschuldig, so wird der Zuschauer mit einer Frage konfrontiert, die an ihn persönlich gerichtet ist: Will man, dass Dannys Schuld publik wird? Der moralische Konflikt, der einer solchen Frage entspricht, lässt sich mit dem vergleichen, den schon Kult-Horrorfilme wie “Behind the Mask” für sich genutzt haben. So ist die Serie auf eine Weise angelegt, die den Zuschauer unweigerlich auf Dannys Seite stehen lässt. Er steht dem Zuschauer nahe und stellt sich schließlich seine Schuld heraus, so wird jeder für sich entscheiden müssen, inwieweit eine derartige Enthüllung die persönliche Beziehung zu ihm torpediert – eine Entscheidung, die den ein oder anderen vielleicht für eine Sekunde an der eigenen Person zweifeln lässt.

Wie “Twisted” sich tatsächlich entwickelt, wird sich schnell genug herausstellen. Zumindest hat die Serie sich die Latte mit ihrem Auftakt ziemlich hoch gelegt und läutet sie ein neues Zeitalter der TV-Produktion ein, dann wird sich das Fernsehen schon bald wieder lohnen.

by Sima Moussavian

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