Hannibal

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Was Kultpsychopathen betrifft, sind die Serienproduzenten auf den Geschmack gekommen. Hat “Bates Motel” sich gerade erst aufgemacht, “Psychos” Norman Bates wieder zu beleben, um ihn episodischen Irrsinn der Spitzenklasse verbreiten zu lassen, so hat NBC selbiges nun mit Kannibalen Hannibal Lecter vor. Wöchentlich lädt der nun zum Dinner, doch stellt sich durchaus die Frage, ob das Fernsehpublikum darauf überhaupt Appetit bekommen sollte.

Gewalt und Abartigkeit in visuell ästhetischem Stil finden sich in “Hannibal” zur Genüge, so nicht zuletzt in den stilvoll komponierten Dinner-Szenen, die Mikkelsen wie einst Hopkins mit gutem Chianti, appetitlichen Beilagen und nettem Dining-Ambiente genießt. Für eine düstere Grundstimmung ist durch Soundtrack und Farbkomposition ebenso gesorgt, doch will “Hannibal” in den ersten Episoden geschmacklich trotz dessen nicht voll überzeugen.

Das Konzept tut sich schwer, Tempo aufzunehmen. Trotz radikaler Tötungen und Gore-Momenten sind die ersten Schritte der Serie enorm Flashback haltige, was die Show automatisch langsamer wirken lässt, als man es sich wünschen würde. Die Psyche des FBI-Agenten Will steht im Fokus – glücklicherweise eine relativ interessante, wo jener doch genauso viel Faszination für das Makabere und Düstere empfindet, wie er es bestrafen will. Jenes psychologische Moment schafft einen appetitlichen Bezug zum Vorbild-Epos. Tempo jedoch entsteht auch durch jene gelungene Anknüpfung kaum, denn als wirklich kreativ oder schockierend innovativ empfindet man die Nähe nicht.

Es ist Wills Sicht auf die Dinge und seine Nähe zu Mr. Lecter, auf Basis derer sich die Serie entwickelt. Ähnlich nährte sich “Das Schweigend er Lämmer” von Clarice Starlings Psyche und ihrer verworrenen Beziehung zu Hannibal. Das psychologische Duell, das den Grad der Beängstigung im Spielfilm determinierte, findet auch in der Serie statt – auf hohem Niveau, was nicht zuletzt den schauspielerischen Höchstleistungen von Mikkelsen und Hugh Dency zu verdanken ist. Mikkelsen stellt sich der Herausforderung, dem gewaltigen Sir Anthony Hopkins gerecht zu werden und, wie man zugeben muss, brilliert er als brillianter Kannibale, der genauso viel Charme an den Tag legen kann, wie Appetit.

Ein Profiler + Hannibal, der als Psychiater und Psychopath Meister im Durchschauen aller Psychopathen dort draußen ist – jenes Konzept steht in deutlicher Beziehung zum “Schweigen der Lämmer”, doch hat es damals auch gut funktioniert, klappt es in episodischer Form nicht einwandfrei. Dialogisch und kompositionell strotzt die Serie vor subtilen Vorausdeutungen, Verwebungen und Referenzen. All der qualitativ hochwertige Psycho-Talk jedoch verliert trotz der schauspielerischen Leistungen an Spannung, wenn er zur Routine wird. Die äußeren Entwicklungen der Serie werden über all das Gerede abgebremst. Die Realisierung der “Anfänge” Hannibals, wie die Serie sie zeigen möchte, gleicht der Realisierung des “Ausgangs” im Sinne des Spielfilm-Epos außerdem ein gefühltes Stück zu sehr, als dass “Hannibal” einem tatsächlich das Wasser im Munde zusammenlaufen lässt. Nur gut, dass jede Episode zumindest einfallsreich makabere Polizeifälle vorstellt – man vergleiche die Bruied-Alive-Tötungen, von denen der Täter sich eine feine Pilzernte erhofft. Teilweise gelingt es jenen Arrangements, den Zuschauer nach den langatmigen Psychokriegmomenten wieder aufzuwecken. Auch nimmt der Plot die ein oder andere Wende, doch wer Cop-Serien und/oder Horrorfilme ansieht, den wird der Ausgang von HANNIBALs Staffel 1 nicht besonders von den Socken hauen.

Zwar schafft es die Serie auf respektvolle Art und Weise, dem Flair von “Schweigen der Lämmer” gerecht zu werden, doch in ihrem gemächlichen Tempo wirkt die erste Staffel eher wie ein stilisiertes Burtalo-CSI für Psychopathen und Psychoanalytiker – Gott sei Dank eines mit gut arrangierten Bildern und schön verwobenen Story-Komponenten.

by Sima Moussavian

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