Devious Maids – Diskriminierungsvorwürfe zum Auftakt!

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Da will wohl jemand auf den letzten Wellchen mit reiten, die “Desperate Housewives” und dessen Serien-Finale vergangenes Jahr hinterlassen haben. Auf dem TV-Olymp hat die Show ein Loch gelassen, das mit keiner anderen Serie so richtig zu füllen wäre, denn das Dramatik-Komödien-Konzept “Desperate Housewives” war noch zu Lebzeiten so ziemlich das einzige seiner Art. Kaum ein Jahr nach Erstausstrahlung von endgültig letzter Desperate-Housewives-Folge sieht das bereits anders aus. So scheint die neue Lifetime-Serie “Devious Maids ” sich um den unlängst freigewordenen Platz auf dem Serien-Olymp bewerben zu wollen und hat dazu scheinbar jede Berechtigung. Marc Cherry, kluger Kopf hinter “Desperate Housewives”, steckt auch hinter dem Konzept “Devious Maids”. Unglücklicherweise startet seine neue Serie gleich mit einem kleinen Skandal, das das Projekt im schlimmsten Falle noch aus dem Wettbewerb um den freien “Desperate Houswives”-Platz disqualifizieren wird, bevor der wirklich begonnen hat.

Ganz im Stile der Houswives beginnt “Devious Maids” mit einem Mord – nicht etwa an einer “Housewife” und doch an einer ähnlich Beschäftigten: einer spanischen Haushälterin. Den Mord im Hause der Schönen und Reichen gilt es im Laufe der Serie zu klären. Aspirierende Detektivin ist die willensstarke Marisol, deren Sohn für das Verbrechen hinter Gitter gewandert ist. Ganz die gute Mutter schleust Marisol sich am Schauplatz des Verbrechens ein und mischt sich unter die Hausmädchen, um Geheimnisse aufzudecken und Näheres zum devious_maids_3Tathergang herauszufinden. Genau hier liegt nun das Skandal begraben, mit dem “Devious Maids” noch in der Woche seiner Erstausstrahlung von sich reden gemacht hat. So wird der Serie vorgeworfen, spanische Frauen in diskriminierenden Stereotypen zu porträtieren. “Desperate-Houswives”- Star Eva Longoria, die die Serie co-produziert, hat sich nun als eine Art Repräsentantin aller Latinas zu den Vorwürfen geäußert. Wie die “Huffington Post” verraten hat, bezeichnet Longoria es doch tatsächlich als Ziel der Serie, Klischees und Vorurteile aufzugreifen. Longoria zufolge will “Devious Maids” die Vorurteile jedoch nicht an die Zuschauer weitergeben, sondern die Lächerlichkeit von Stereoptypen betonen, um etwaige Klischees zu dekonstruieren und lateinamerikanische Frauen im Laufe der Serie als komplexe statt klischeehafte Persönlichkeiten darzustellen.

Aha. So viel also zu dem Skandal, das ohnehin nie ein richtiges war. Zum einen liegt eine Mystery-Comedy-Serie durch die genrebedingte Notwendigkeit der karrikaturhaften Übersteigerung mit Vorurteilen ohnehin lange im Toleranzbereich. Zum anderen ist das Skandal in Hollywood kommerziell derart förderlich, dass es “Devious Maids” sogar verziehen wäre, wenn hinter seiner radikalen Porträtierung tatsächlich der Wunsch nach ein paar skandalhaften Vorwürfen gesteckt hätte. Nicht wirklich skandalös, also, und doch sieht es mit dem TV-Olymp eher schlecht aus. Verantwortlich dafür: Marc Cherry und das Team hinter der “Devious Maids”- Idee . Wir haben es mit Sicherheit nicht mit mit einer einfach “schlechten Soap” zu tun. Genauso wenig aber will man das Projekt guten Gewissens als innovative und herausragende Serien-Idee beurteilen, denn Marc Cherry hat es sich ein bisschen zu einfach gemacht, “Devious Maids” auf seinem Desperate-Houswives-Erfolg aufzubauen.

Doch nicht nur daran liegt es. Nicht allein orientiert sich “Devious Maids” konzeptuell ein wenig zu sehr an “Desperate Houswives”, um die gute Durchschnittlichkeit zu überflügeln, auch fällt das Identifizieren mit den Protagonisten bisher eher schwer. Das wiederum liegt an den Extremen, die von “Devious Maids” abgebildet werden. Stinkend reich oder grausam unterpriviligiert – diese beiden Klassen sind durchaus reale, die in der Welt dort draußen mit Sicherheit so zu finden sind, doch bietet “Devious Maids” mit den beiden Extremkonzepten zumindest in seinen ersten Episoden keine besondere Figuren-Ambiguität.

Was die Charakterisierung der männlichen Protagonisten betrifft, trifft es der Ausdruck “farblos” recht gut. Das liegt weniger an den schauspielerischen Fähigkeiten des Casts, als am Drehbuch – man vergleiche Drew Van Ackers Rolle des reichen Muttersöhnchens und Frauenhelden Remi Delatour. Gerade noch durfte Van Acker sich als zerrissener Jason DiLaurantis in ABC Familiys “Pretty Little Liars” beweisen, in “Devious Maids” jedoch wirkt er nun grausam unterfordert. Die Rolle des Remi verlangt ihm in den ersten Episoden nicht viel mehr ab, als gut auszusehen – ein Armutszeugnis für die Drehbuchautoren, wenn Van Acker deutlich mehr auf dem Kasten hat, als sich nett ansehen zu lassen. Zutreffen tut jene Beobachtung nicht nur auf ihn. Auch Grant Show, der mit seiner Rolle in “Posession” seine Fähigkeit zu darstellerischer Tiefe gezeigt hat, macht seine Job in “Devious Maids” gut und hat sich aus charakterkonzeptuellen Gründen bis hierher doch nicht entwickeln dürfen. In den ersten Folgen sind sogar die Frauen der Serie nicht viel mehr als die Klischees, die “Devious Maids” doch eigentlich dekonstruieren will. Der Schauplatz des reichen Beverly Hills macht all das nur noch schlimmer, da er der Handlung eine unangenehme Künstlichkeit beimengt, die dem zuweilen potenzialhaltigen Witz, den hauchdünnen Mysterymomenten und dem vielen Drama der Serie das Zünden erschwert.

Bisher lässt sich das Projekt am besten als guter Durchschnitt bewerten, was grausam schmerzt, wenn schon alleine das fähige Cast zu so viel mehr in der Lage wäre, als all dem, das das Drehbuch vorgegeben hat. Die Hoffnung aber stirbt zuletzt, daher bleibt zu hoffen, dass “Devious Maids” in den ersten Folgen nur tiefstapelt, um in nächster Zeit doch noch zu dem Kult zu explodieren, zu dem Marc Cherry und seine Crew doch erwiesenermaßen fähig sind.

by Sima Moussavian

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