Prisoners

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In Denis Villeneuves vielschichtigem Selbstjustiz-Thriller “Prisoners” verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse

In einer Kleinstadt in Pennsylvania feiern die Ehepaare Keller (Hugh Jackman) und Grace Dover (Maria Bello) sowie Franklin (Terrence Howard) und Nancy Birch (Viola Davis) gemeinsam mit ihren Kindern Thanksgiving. Die ausgelassene Stimmung schlägt in Sorge um, als die kleinen Mädchen der Familien Anna Dover (Erin Gerasimovich) und Joy Birch (Kyla Drew Simmons) spurlos verschwinden. Die Suche in der Umgebung erweist sich als erfolglos und auch die Nachbarn haben nichts bemerkt. Der einzige Anhaltspunkt ist die Beobachtung von Kellers Sohn Ralph (Dylan Minnette), der die Mädchen in der Nähe eines heruntergekommenen Wohnmobil gesehen hat. Bei dem Fahrer handelt es sich um den geistig zurückgebliebenen Alex Jones (Paul Dano), den Detective Loki (Jake Gyllenhaal) aufgrund seines Fluchtversuchs für den Täter hält. Aus Mangel an Beweisen wird Alex jedoch nach 24 Stunden laufen gelassen. Keller ist aber dermaßen von Ralphs Schuld überzeugt, dass er in kurzerhand entführt und foltert, um den Aufenthaltsort der Mädchen zu erfahren…

Selbstjustiz-Filme haben eine lange Tradition mit Klassikern wie “Ein Mann sieht rot” mit Charles Bronson bis hin zu gegenwärtigen Genrebeiträgen wie “96 Hours” mit Liam Neeson in der Hauptrolle. Inhaltlich sind diese Streifen oftmals einfach gestrickt : Nach der Ermordung oder Entführung eines Familienmitgliedes nimmt den Protagonisten das Motiv der Rache fest in Beschlag – zumal er sich von der Staatsgewalt im Stich gelassen fühlt. Ein verschwundenes Kind ist auch in Denis Villeneuves “Prisoners” der Anlass für einen Familienvater, das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen. Der Unterschied zu konventionellen Rache-Dramen ist allerdings, dass dem Zuschauer keine Action zum Mitfiebern geboten wird, sondern eine differenzierte Studie über das Verhalten von Menschen in extremen Notsituationen.

Allen voran Hugh Jackman als Familienvater Keller, der aus verzweifelter Wut zu den härtesten Mitteln greift und dabei auch vor Folter nicht zurückschreckt. Das wirft für den Betrachter die unangenehme Frage auf, ob man in vergleichbarer Situation in der Lage wäre, ähnlich zu handeln. Jackman meistert die Wandlung vom scherzenden Kumpeltyp im Kreise der Familie bis hin zum beinharten Peiniger seines Gefangenen grandios. Un dann ist da noch Detective Loki, der sowohl die Mädchen aufspüren als auch den vermeintlichen Täter schützen muss. Die Rolle des Cops mit Einzelgänger-Charakter wird perfekt verkörpert von Jake Gyllenhaal. An seiner Mimik kann man zunehmend den ganzen Schrecken der Geschichte ablesen, denn die Ermittlungen im Entführungsfall offenbaren eine Reihe von grausamen Ereignissen, die sich in der zunächst so beschaulich präsentierten US-amerikanischen Vorstadt ereignet haben.

Ob das zentrale Motiv der Rache gerechtfertigt ist, und wie weit jemand gehen darf, um das Leben seines Kindes zu schützen, wird nicht eindeutig beantwortet. Die Folterszenen werden zwar von der Kamera selten explizit eingefangen, sind aber dennoch so quälend, dass der Zuschauer Gut und Böse kaum mehr auseinanderhalten kann. Die kühlen Bilder der kargen Herbstlandschaften unterstützen die trostlose Stimmung der Inszenierung, die trotz der Spieldauer von 153 Minuten bis zum Schluss die Spannung aufrecht erhalten kann. “Prisoners” ist aufgrund des packenden Drehbuchs, der außerordentlichen Darsteller und einer Inszenierung mit viel Gespür für das brisante Thema, einer der besten Thriller der letzten Jahre.

by Stefan Huhn

Infos zu Prisoners
 
Kinostart10.10.2013
Länge153 Minuten
GenreThriller
RegieDenis Villeneuve
DarstellerHugh Jackman,
Jake Gyllenhaal,
Melissa Leo
u.a.
VerleihTobis Film
Punkte8 / 10

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