Paranoia – Riskantes Spiel

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Nostalgisch lächelnd darf man sich an das schleichend paranoide Gefühl erinnern, das einen nach dem Kinogang in einen Film wie Spionagethriller GHOSTWRITER befallen hat. Sich misstrauisch umblickend machte man sich damals auf den Weg nach Hause und genoss die seichte Anspannung im selben Maße, wie man sich von ihr verunsichern ließ. Eben einen solchen Effekt sollte ein guter Spionagethriller haben: er packt einen, schüttelt ein paar Mal und lässt einen fassunglos, ungläubig und ein wenig paranoid zurück auf den Boden der Realität fallen. Davon sollte auch Robert Lucetic geträumt haben, als er sich an “Paranoia – Riskantes Spiel” versuchte. Trotz schauspielerischen Höchstleistungen von Harrison Ford, Garry Oldman und einem überraschend unsympathischen Liam Hemsworth ist der Griff, mit dem sein Thriller zupackt jedoch ein schwacher, aus dem man sich nur allzu leicht befreien kann.

Schuld an der eingeschränkten Wirksamkeit des Films sollte das Drehbuch haben. Wie sagt man noch so schön: Aus einem guten Drehbuch wird zuweilen ein schlechter Film, aus einem schlechten jedoch niemals ein guter. “Schlecht” ist im Falle von “Paranoia” ein vielleicht etwas zu radikales Wort, doch wirken Plot und Inszenierung zu sterril, um mitzureißen. Lucetic wollte alles richtig machen und scheint gerade deswegen einiges falsch gemacht zu haben. Eine starre Schritt-für-Schritt-Anleitung für einen gelungenen Thriller gibt es nicht und doch scheint “Paranoia” gefühlt auf einer solchen aufzubauen. Soll gerade ein Spionage-Thriller den Zuschauer doch eigentlich mit in eine Welt reißen, in der er sich nicht auskennt und werden ihm dort im besten Falle Probleme oder kritikwürdige Sachverhalte hinter der Oberfläche offengelegt, an die er als Außenstehender nicht hätte denken können, so gibt Luctetics Film ihm schließlich nicht viel mehr, als er selbst von Außen sieht und ein Film über das Tech-Business, der nicht mehr über selbiges durchblicken lässt, als ein Außenstehender mit einem Zufallsbekannten im Small-Talk auf einem Zugbahnsteig besprechen würde, sollte nur schweren Stand haben.

Als Wege, auf denen “Paranoia” eine Zuschauerschaft trotz fehlendem Informationsgehalt vielleicht noch hätte faszinieren können, bleiben Spannungsgehalt und Wendungsreichtum. Gerade das aber ist in einem Milieu wie dem Tech-Business nur schwer zu erreichen. So verzichtet der Film wohl der Glaubwürdigkeit zu Liebe darauf, den Kampf zwischen zwei Marktführern der Telekommunikation zu viel mehr zu machen, als dem wenig existenziellen Überlebenskampf auf dem Markt. Ängstigen muss der Zuschauer sich deswegen kaum. Selten streift einen der Gedanke, Adam könne als Spielfigur der beiden Tech-Bosse tatsächlich in Lebensgefahr schweben. Zwar versucht “Paranoia” hier und da, genau das zu implizieren, doch wird jene Gefahr zumindest wenig spürbar. Da wären wir nun wieder zurück bei der allgegenwärtigen Sterilität, die ohnehin kaum Gefühle aufkommen lässt. Dass angelegte Wendungen schließlich zu vorhersehbar sind, erschwert die Sache nur noch ein Stück. Doch wer weiß – vielleicht waren Sterilität und Vorhersehbarkeit sogar das Ziel und die Kritik, die “Paranoia” am dargestellten Milieu üben wollte. Wer sich post Film keine lebensverändernden Erkenntnisse erwartet, kann gerne einen Blick auf den Thriller riskieren – zuliebe des fähigen Casts, das den Kampf gegen die Sterilität des Films zumindest antritt.

by Sima Moussavian

Infos zu Paranoia - Riskantes Spiel
 
Kinostart19.09.2013
Länge115 Minuten
GenreThriller
RegieRobert Luctetic
DarstellerLiam Hemsworth,
Harrison Ford,
Gary Oldman
u.a.
u.a.
VerleihStudiocanal
Punkte5/10

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