Pain & Gain

Michael Bays Crime-Geschichte um ein paar Bodybuilder: So imposant wie ein Transformer und so brutal Wie Tommy Hewitt persönlich

Für wen sich das erst mal gut anhört, der wird schnell eines Besseren belehrt, denn mag man Michael Bay auch unterstellen, dass er der Meister der Kettensägen- und Roboter-Action ist, so macht ihn das längst nicht zum Kenner der menschlichen Natur. Da wäre Bay vielleicht lieber bei seinen Maschinen und Psychopathen geblieben, denn deren Innenleben sollte in der Darstellung weit weniger anspruchsvoll sein, als das von Männern, die der Sucht des Muskelaufbaus verfallen sind und schließlich Teil eines politisch unkorrekten und absolut abartigen Verbrechens werden. Kidnapping, Folter, visueller Style und surreale Action-Effekte – all das kennen wir von Bay und mag man von ihm halten, was man will, all das gehört zu den Dingen, die er beherrscht. Ganz offenbar aber war es dieses Mal wider Erwarten seine Intention, seine brutale Story schwarz-humoristisch wiederzugegeben.

Eine Body-Builder-Gang, die Menschen entführt, erpresst, foltert und schließlich ermordet, bis sie auffliegt und die Todesstrafe erhält – und wir, das Publikum, sollen über jenes Szenario allumfassender Abartigkeit offenbar zu lachen beginnen. So loblich es auch ist, die andere Seite des “American Dream” darstellen zu wollen und so sehr man Michael Bay auch glauben möchte, dass er vorhat, das kritische Bild eines unmoralischen Amerikas zu zeichnen, so wenig kann man sich schließlich überwinden, ihm wirklich zu glauben. Unguterweise gibt der Film die beiden mordenden Monster mit den Monster-Muskeln zuweilen umgeben von dem Schein eines widerlich leuchtenden Helden-Pathos wieder, was, wie man hoffen mag, die Ignoranz beleuchten will, mit der die Welt ihre Helden auswählt, schließlich jedoch nicht deutlich genug erklärt wird, sodass zumindest die Hälfte der Zuschauerschaft gut möglich mit Begeisterung für die Protagonisten und in nur noch gestiegener Ignoranz nach Hause gehen wird.

Michael Bays Humor schließlich ist mit Sicherheit kein durchschnittlicher. Wer ihn versteht, der sei dazu beglückwünscht, für die Masse aber sollte der humoristische Ansatz der “Komödie” nicht nachzuvollziehen sein, was schließlich wieder fraglich werden lässt, inwieweit dem Publikum tatsächlich klar wird, dass Bay sich mit “Pain and Gain” tatsächlich nicht auf Seiten folternder Massenmörder stellen, sondern jene über schwarzen Humor verspotten will – ob Spott hier überhaupt angebracht sein kann, bleibe fraglich. Das Innenleben der Protagonisten zumindest steht definitiv nicht in Bays Interesse. Die Gang portraitiert er als nicht viel mehr als einen Haufen hirnloser Idioten, über die zu lachen man sich im Laufe der Handlung immer schwerer tut. Wer sich nicht mit fehlender Moral identifizieren möchte, dem bleibt zum Identifizieren nicht mehr viel übrig und wer sich doch dazu überwindet, sich zu identifizieren, der befindet sich auf bestem Wege, zu Gunsten des Entertainments auf die eigene Moral zu verzichten.

Wie Bays Film also überhaupt einen vertretbaren Effekt auf das Publikum haben kann, bleibt im besten Falle unklar. Was man “Pain and Gain” aber auch vorwerfen will – unterhaltsam und innovativ sind Konzept und Umsetzung schockierenderweise. Anecken wird Bays schwarz-humoristischer Versuch mit Sicherheit und wie sagt man im Showbizz so schön – “nett” macht vergessen, was wirkllich präsent bleiben will, muss polarisieren…

by Sima Moussavian

Infos zu Pain & Gain
 
Kinostart22.08.2013
Länge130 Minuten
GenreKomödie / Drama / Action
RegieMichael Bay
DarstellerMark Wahlberg,
Dwayne "The Rock" Johnson,
Anthony Mackie
u.a.
VerleihParamount Pictures
Punkte6 / 10

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