Matze Knop Interview (“Die Hüter des Lichts”)

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Schon mal darüber nachgedacht, ob Weihnachtsmann und Osterhase sich kennen? Eine 1 ½ – stündige Antwort auf genau jene Frage gibt Dreamworks Animationsabenteuer „Die Hüter des Lichts“. A n welchen „Hüter“ man als Kind auch glaubte, sie alle hat Dreamworks neu belebt und in einen 3-dimensionalen Kampf um die Träume aller Kinder geschickt. Im Münchner Mathäser durfte die Magie der Kindheit am 12.11. 2012 Premiere feiern: umgeben von Winter-Atmosphäre und in Anwesenheit der deutschen Synchronsprecher Hannah Herzsprung, Florian David Fitz und Matze Knop, die das Kind in uns als Zahnfee, Jack Frost und Osterhase in ein Märchen für Jung und Alt entführen. Alle Premiere-Gäste zumindest haben sie in eine Welt voller Zauber, Farbe und Erinnerung mitgenommen. Da konnte sich auch das Mathäser kaum mehr der Wintermagie erwehren und lud nach Filmvorführung auf einen hauseigenen Weihnachtsmarkt, wo sich neben den Synchron-Stimmen des winterlichen Filmabenteuers schließlich auch Giulia Siegel, Verena Kerth und Wayne Carpendale mit Glühwein und Bratwurst auf eine besinnliche Weihnacht einstimmten. Wir haben die Präsenz von “Osterhasen” Matze Knop genutzt, um mit ihm über seine einstigen Kindheitshelden zu sprechen, wobei einstig hier vielleicht etwas fehl am Platze erscheint…


Wie bereitet man sich darauf vor, den Osterhasen zu voicen?

Matze Knop: Ich habe mich in einen Kaninchenbau zurückgezogen und abgewartet, was im Studio so passiert. (lacht). Lange wusste ich ja gar nicht, wie der Osterhase überhaupt aussehen wird. Alles wurde sehr geheim gehalten. Als es dann soweit war, hat unser Regisseur Axel mir viele Tipps gegeben.

Wie hast du die endgültige Stimme entwickelt?

Knop: Ich habe erstmal meine „Platzhirsche“ zu Rate gezogen und wir haben zusammen überlegt. Wir dachten, vielleicht spricht er ja so (in Lothars Stimme:) wie der Lothar, vielleicht auch (in Beckenbauerstimme:) wie der Franz Beckenbauer nach dem Motto: die Eier, ja sicherlich, ich bringe sie euch . Oder sogar (in Jürgen Klopps Stimme:) wie der Jürgen Klopp: Jaaa, legendär, bunte Eier: geile Idee. Als ich dann im Studio war, sagte der Regisseur: Ne, der spricht schon ziemlich cool – fast ein bisschen kloppo-like, aber noch cooler. Wir haben uns danach das Original von Hugh Jackman angehört und ein bisschen rumprobiert, bis Axel meinte: ja, das ist gut – so machen wir’s.

Nachdem du Radio- und Comedy Erfahrung mitbringst: fällt das Voicing da leichter?

Knop: Ich denke, dass ich wegen der Radioerfahrung schon einen Vorteil gegenüber denen habe, die das noch nie gemacht haben und durch die Parodietätigkeit habe ich schon vorher gelernt, meine Stimme zu verstellen, sodass ich wusste, was wann wo klingt. Es ist beim Voicing aber auch schauspielerische Qualität gefragt und als Schauspieler im klassischen Sinne bin ich ja nicht sehr erfahren. Da war es schon cool, dass der Regisseur dabei war und mir dann gesagt hat: Pass auf, Matze, wenn der Osterhase den Arm hebt, musst du auch den Arm heben, weil die Stimme dadurch anders klingt. Dazu schaut man sich natürlich an, wann die Figur welchen Gesichtsausdruck macht, um die passende Stimme zu finden.

Synchronisation gibt ja kaum Spielraum für spontane Variation. Ist es für dich als Comedian schwierig, auf Improvisation zu verzichten?

Knop: Wenn ich auf der Bühne stehe, habe ich zwar immer ein festes Programm, aber ich mache auch gerne etwas Spontanes und gehe ins Publikum, um die Leuten einzubeziehen. Außerdem kann ich es da einfach raushauen, wenn mir zwischendurch etwas einfällt. Das ging beim Voicing so nicht. In kleinen Nuancen ist es möglich: wenn man im Original ein Wort hat, das im Deutschen doof klingt, kann man das je nach Lippenbewegung schon mal ändern – im Falle von „Die Hüter des Lichts“ hatten wir das 3 oder 4 Mal. Aber man ist schon mehr am Drehbuch orientiert. Zwischendurch labert man aber trotzdem Blödsinn, nur dass das dann nicht aufgezeichnet wird. (lacht) Von daher ging das schon.

Hattest du in deiner Kindheit eigentlich Helden?

Knop: Den Osterhasen natürlich. Den Weihnachtsmann eigentlich auch, wobei bei mir dann eher das Christkind kam. Die Zahnfee kam erst später hinzu: als das losging, hatte ich schon fast alle Milchzähne verloren. Erst beim Letzten lag dann eine Tafel Schokolade auf dem Nachttisch. Den Sandmann fand man früher ja eher doof und man hoffte, einer der anderen Sand in die Augen streut, kann nicht ganz echt sein. Ich bin übrigens froh, dass ich ihn durch den Film nochmal neu kennenlernen durfte und feststellen konnte, dass er sich auch für das Gute einsetzt. Dann hatte man in meiner Kindheit noch Zeichentrickfiguren, ob jetzt Biene Maya oder die Schlümpfe. Ich habe mir wohl von jedem Wesen, das da so herum kreuchte und fleuchte, genau das genommen, was mir gefiel und mir so einen eigenen Helden gebaut.

Der Osterhase als Hüter ist ja nicht gerade der typische Osterhase. Hat dir gerade das gefallen?

Knop: Ich habe zuerst einen Osterhasen erwartet, wie man ihn von der Lichtung kennt: einen kleinen, süßen Hasen, der herum hoppelt und ein paar Eier versteckt, um danach wieder in seinen Bau zu laufen, weil er draußen eigentlich Schiss hat. Als ich den Film dann Stück für Stück gesehen habe, hat es für mich aber einen Sinn gemacht, dass der Osterhase in „Die Hüter des Lichts“ anders ist: er stellt einfach etwas dar. Als Kind aber auch als Erwachsener gibt es einem Sicherheit zu wissen, dass der Osterhase nicht nur die Eier versteckt, sondern auch welche hat. Wenn es hart auf hart kommt, stellt er sich breitbeinig hin und sagt: Leute, ich bin nicht nur ein Hase, ich bin der Osterhase! Das fand ich cool und mir wurde damit einiges klar, das mir in meiner Kindheit verborgen geblieben ist.

Zum Beispiel?

Knop: Zum Beispiel habe ich mich immer gefragt, wie das Ei, das ich gerade gefunden habe,genau das Ei sein kann, das mein Vater bis vor 5 Minuten bewacht hat. Ein normales Kaninchen würde sich gar nicht trauen, meinem Vater ein Ei aus dem Korb heraus zu stibitzen. Der Osterhase muss also ziemlich cool sein, denn das kann nur einer, der ganz schön abgebrüht ist. (lacht)

Erinnerst du dich an den Moment, in dem das Konstrukt „Osterhase“ in sich zusammenfiel?

Knop: Das verstehe ich jetzt nicht – soll das jetzt heißen, dass es ihn gar nicht gibt?! (lacht) Natürlich habe auch ich irgendwann an ihm gezweifelt. Das war zwischen 7 und 8, weil mir ein Kumpel sagte, dass er erfunden ist. Mit 10 war ich mir dann aber sicher, dass es ihn gibt, und dabei bleibe ich jetzt auch. Man sollte seinen Glauben nicht ständig wechseln, sondern zu ihm stehen. Das tue ich, sonst hätte ich diese Rolle gar nicht angenommen. Persönlichkeiten, die es nicht gibt, haben wir genug. Das Coole an dem Film ist, dass wir 4 Persönlichkeiten mit langer Tradition haben. Das sind keine gerade „erfundenen“ Figuren, die morgen als Spielzeug im Laden stehen. Jack Frost kennt man vielleicht noch nicht so gut: an den Gedanken, dass er für die Kälte verantwortlich ist, musste auch ich mich erst mal gewöhnen. Also: Klimawandel ist alles Blödsinn, Jack Frost hatte einfach keinen Bock! So ein Gedanke beruhigt doch irgendwie ein bisschen.

Macht es die Fülle an Fakten, die die Wissenschaft produziert, schwerer, glauben zu wollen?

Knop: Es könnte schon sein, dass man immer mehr dazu neigt, doch lieber nachzuforschen oder nochmal bei Wikepedia nachzulesen, aber auch bei Wikepedia stimmt ja nicht alles. Gerade da muss man dann vielleicht einfach mal glauben, dass das so stimmt oder eben nicht. Von daher GLAUBE ich – (lacht) schön, dass ich jetzt auch noch dieses Wort hier benutzen kann – dass man auf jeden Fall zu seinem Glauben stehen muss und sich nicht immer von Leuten belabern lassen sollte. Ich habe bei mir selbst im Laufe der Zeit festgestellt, dass sich die eigene Anfangsintention meist als das Richtige herausstellt. Ich habe mich oft nach dem Motto – Mach das mal lieber so oder so – von Leuten davon abbringen lassen, aber wenn mir mein Gefühl zuvor etwas gesagt hatte, dann stimmte diese Intuition am Ende eher.

Ist es wichtig, den Glauben der nachkommenden Generationen zu fördern, indem man traditionelle Geschichten wie die des Osterhasen weitergibt?

Knop: Das finde ich sehr wichtig. Tradition wird oft unterschätzt. Ich finde es gut, wenn über Generationen hinweg bestimmte Dinge weitergegeben werden. Wenn das passiert, dann können diese Dinge so falsch nicht sein. Man kommt ja mittlerweile sogar in der Medizin wieder auf Dinge zurück, die schon im Mittelalter angewendet wurden. Nach 300 Jahren stellt man dann etwas fest wie: Die Milch ist fürs Einschlafen ja doch ganz gut – vielleicht braucht man gar keine Schlaftabletten. Ich finde es also sehr wichtig, dass man an alten Werten festhält, dass man an sie glaubt und sie weiterträgt.

Ist es heute durch Internet, Kindercastingshows und Co immer schwieriger, den Kindern kindlichen Glauben zu bewahren?

Knop: Auf der einen Seite ist es immer so, dass Eltern sagen: Bei uns war alles noch besser – die Jugend von heute geht ja gar nicht. Auch unsere Eltern haben so etwas doch zu uns gesagt, als wir um die 10 waren. Das Leben ist nun mal eine stetige Entwicklung und das ist ja auch nicht verkehrt. Andererseits ist es aber sicher auch ein bisschen fragwürdig, wenn man mit 5 den ganzen Tag vor dem Computerbildschirm abhängt, statt rauszugehen und sich mit Schneebällen zu bewerfen. Ich glaube also sowohl als auch. Die “richtige” Antwort auf eine solche Frage ist wahrscheinlich kaum zu finden.

Wer oder was ist für dich der Schwarze Mann?

Knop: Da gibt es seit jeher dieses Spiel: Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann? – Niemand! – Und wenn er aber kommt? – Dann laufen wir davon! Wenn es dieses Spiel gibt, dann gibt es in Wirklichkeit wohl auch den Schwarzen Mann. (lacht) Ich glaube nicht so richtig an ihn und das versuchen die Hüter des Lichts ja auch zu bezwecken. Heutzutage wäre der Schwarze Mann für mich wohl einfach alles „Böse“ – so platt sich das jetzt auch anhört, aber im Endeffekt, kann der Schwarze Mann wohl einfach vieles sein. Alles, das zum Beispiel dafür sorgt, dass ein Kind nicht mehr lacht, ist der Schwarze Mann für mich. Ich bin Stimme von „Kinderlachen“ – das ist eine Hilfsorganisation im Raum Dortmund und wir setzen uns für Kinder in Deutschland ein, denen es nicht so gut geht. Wir organisieren verschiedene Veranstaltungen, sammeln so Geld und machen davon diverse Sachspenden. Das würde ich mir von viel mehr Menschen wünschen und bei „Die Hüter des Lichts“ finde ich es eine schöne Botschaft, dass diese 4 Figuren sich hinstellen und sagen: Mit uns nicht – da ist einer, der möchte die Träume der Kinder zerstören und wir bieten ihm die Stirn. Das sollte sich auch der ein oder andere von uns auf die Fahnen schreiben.

Was waren deine Kindheitsträume?

Knop: Ich habe vor allem von einfachen Sachen geträumt. Ich wollte zum Beispiel Pirat sein und mit meinen Kumpel aufs Meer fahren. Ich wollte mit Sicherheit auch Fußballprofi werden – auf jeden Fall habe ich mit meinen Kumpels jeden Tag Fußball gespielt und meine Mutter musste mich zum Essen schon fast nachhause prügeln. Das hört sich jetzt böse an, aber den Zeigefinger musste sie doch erheben. Irgendwann fand man dann auch Cowboy und Indianer gut und stellte sich vor, dass man im Zelt wohnt und ein Pferd reitet, bis man bemerkte, dass der Boden auf Dauer doch ganz schön hart ist und einem der ganze Rücken weh tut. Ab da ließ man das Cowboy-Indianer-Ding dann doch lieber bleiben und wollte Feuerwehrmann sein. Das Schöne ist es als Kind ja gerade, dass man die Träume innerhalb von Stunden wechselt. Eins wusste ich aber immer: dass ich eine schöne Kindheit hatte und dass es mir wirklich gut ging. Für so etwas sollte man immer dankbar sein, weil man ein solches Gefühl mit durchs Leben nimmt.

by Sima Moussavian

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