Man of Tai Chi

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Ein Martial Art Film pro Winter – das scheint goldene Regel zu sein. Vergangenes Jahr handelte es sich dabei um RZAs MAN WITH THE IRON FISTS, der trotz höchst ästhetischer Kampfszenen in Sachen Storyzusammenhang von Seiten der Kritiker ein paar Schläge unter die Gürtellinie einstecken musste. Während der Promotion zu RZAs Debüt hatten wir uns mit Rick Yune unterhalten. Selbst ein Martial Artist schwärmte der uns wiederum vom Ausnahmekönnen Keanu Reeves vor, der für MATRIX ohne Hintergrund im Kampfsport eine Intensität entwickelt habe, die den Gedanken hinter dem Sport auch über die Leinwand transportieren könne. Nun hat sich Reeves offenbar genau das gedacht: Martial Art Film 2013 ist nämlich kein geringerer als sein Regie-Debüt MAN OF TAI CHI.

Die Kampfszenen von Reeves’s Regiewerk leben in der Tat von seiner Affinität zum Kampfsport und seinem Bewusstsein über dessen schwierige Leinwandtransportabilität. Dabei setzt er auf hervorragende Martial Artists in puristischer Kampf-Kulisse. Dem angekündigten Hommage-Charakter an den chinesischen Martial Art Kult der 70er Jahre wird er dabei nicht gerecht, doch genau das wirkt sich hier eher erfreulich aus. Reeves Figuren entwickeln sich – davon konnte noch in den 70er Jahren nicht direkt die Rede sein. Auch die kreisende Kamerabewegung, über die Reeves den Ring von alle Seiten beleuchtet, um der Szenerie Tempo zu geben, fühlt sich wenig nach Hommage an. Die gut gestreuten Kampfmomente macht sie dafür zu einer runden Sache.

Dann wäre da noch der Reality-TV-Rahmen, der den Regie-Erstling klar und deutlich aus dem reinen Martial Art Genre hebt.Die Show-Idee hat seit Truman als Rahmenerzählung eines Films einige Modifikationen erfahren. Nicht zuletzt ist sie im Martial Art Genre angekommen und gibt MAN OF TAI CHI einen netten Drive. Der Film führt zunächst Tai-Chi-Kämpfer Chen Lin Hu ein, der sich mit schlecht bezahlten Jobs über Wasser hält und seinem Meister huldigt, wie einer Gottheit. Als Donaka Mark aka Keanu Reeves ihn in Action sieht, bietet er ihm einen Job an. Hu lehnt ab, weil er das Kämpfen um Geld unehrenhaft findet. Bis hierher hat Reeves seine Story nicht schlecht arrangiert. Schließlich jedoch braucht Hu Geld, um den Tempel seines Meisters zu retten. Es bleibe dahin gestellt, ob der prinzipientreue Tai Chi Schüler, der seinen Sport und die dahinterliegende Lehre tatsächlich ernst nimmt, den zwielichtigen Job jemals annehmen würde, aber gut – die Story muss nun mal irgendwie ins Laufen kommen, damit zum Reality-Konzept übergegangen werden kann. Jenes wiederum ist durchaus interessant und geht seine eigenen Wege. So lässt Donaka die Kampfsportler in einer geheimen Show gegeneinander antreten, um den Zuschauern zu zeigen, dass er auch aus dem ausgeglichensten Schüler mit noch so viel Respekt vor der philosophischen Lehre hinter dem Sport einen nach Blut durstenden Mörder machen kann. Reeves bricht mit dieser Idee den Rahmen des Erwarteten auf und setzt sich von Reality-Arrangements wie dem konventionellen in DIE TODESKANDIDATEN ab.

Leider bleibt die Figur des Hu trotz atemberaubender Kampfszenen und in der Reality-Idee angelegtem Potenzial in einer allzu erwartungsgemäßen Entwicklungsschleife stecken. Sich selbst hat Reeves übrigens die aussagekräftigste Rolle auf den Leib geschrieben – aus dem angelegten Milieu sticht er als schmieriger Geschäftsmann heraus, wie ein Martial Art Film mit Story aus dem weiten Pool des Genres. Besonders gut steht dem Regie-Einsteiger die Rolle des berechnenden Bösewichts nicht, doch bleibt lobenswert, dass er die Chance genutzt hat, sich eine eigene und seiner Vergangenheit nach eher unerwartete Rolle zurecht zu mauern. Bis auf das Ende hält Reeves sich dabei mit der Teilnahme an Kampfszenarien zurück. Als er schließlich in den Ring steigt, kann er mit den Stars seines Films technisch nicht mithalten, doch in diesem Fall stört das wenig – dass er als ausbeuterischer Widerling offensichtlich unterlegen ist, tut Story und Glaubwürdigkeit gut. MAN OF TAI CHI läuft so auf einen interessanten, wenn narrativ auch etwas holprigen Action-Film mit gekonnt inszenierten Martial Art Elementen zusammen, der zumindest Reeves Leidenschaft und Affinität für das Genre deutlich macht.

by Sima Moussavian

Infos zu Man of Tai Chi
 
Kinostart12.12.2013
Länge120 Minuten
GenreAction/Martial Arts
RegieKeanu Reeves
DarstellerKeanu Reeves,
Simon Yam,
Tiger Hu Chen
u.a.
VerleihUniversal Pictures
Punkte6/10

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