Winter’s Tale

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In WINTER’S TALE erwacht Collin Farrell als Kleinganove in der Zukunft, wo er auf magischen Schimmeln gen unsterbliche Liebe abhebt und typisch Märchen für das Gute in den Kampf zieht.

Märchen von einem sanften Draufgänger, der sich unsterblich verliebt, gibt es wie Schimmel im Stall. Märchen mit einem Colin Farrell in einer Rolle, die auf ihn passt wie der Sattel aufs Pferd gibt es schon deutlich weniger. Wer Märchenforscher Propps Standardwerk DIE MORPHOLOGIE DES MÄRCHENS kennt, der weiß über WINTER’S TALE von vornherein schon das Nötigste. Propps Rollenschemata beispielsweise trifft auf die Charaktere von WINTER’S TALE so gut wie ausnahmslos zu, sodass die Figuren in ihren Reaktionen und Aktionen relativ vorhersehbar bleiben. Eigenheit bleibt zu einem Großteil auf der Strecke. Typisch Märchen wirken die Handelnden zeitweise relativ austauschbar. Ein Stück Aufregung und Bodenhaftung gewinnt WINTER’S TALE einzig und alleine durch Farrell’s kantige Persönlichkeit. Leider wirkt der irische Frauenliebling zwischen Kitsch und sanften Melodien zuweilen aber ein wenig so, als wäre er gar nicht mehr sicher, wie er eigentlich zu diesem Projekt gekommen ist. Seiner Rolle tut das vielleicht gar nicht mal schlecht, denn der Amnesie gibt es einen relativ glaubhaften Touch, doch dass Farrell, Russel Crowe und Co von den Charakteren des eingefärbten Zweistünders nicht gerade herausgefordert werden, merkt man ihren Darbietungen von Zeit zu Zeit unglücklicherweise an.

Die Figuren treten im Laufe der Geschichte wie für ein Märchen üblich zurück und geben Moral und fantasievoller Prachtwelt der Story Platz, sich in den Vordergrund zu legen. Hier wird die Hälfte der Zeit über keine Geschichte erzählt, die in einer dazu konstruierten Welt stattfindet, sondern andersherum. Märchenhaftes und kitschiges Romantikflair zieht sich dementsprechend vor den Augen des Zuschauers nach oben wie eine Mauer und magische Elemente inklusive Zeitreise legen sich wie Frühnebel über den zweistündigen Film. Auch Referenzen auf Märchen und Mythen reihen sich in Goldmans Regie-Debüt aneinander wie die Pendler vor der morgendlichen U-Bahn: In seiner Kleinkindzeit wird Colin Farrell als Peter mit einer Nussschale zu Wasser gelassen, mit einem magischen Schimmel fliegt er über die Erde und unerklärlich vertraute Gestalten treiben ihn auf den typischen Kampf zwischen Gut und Böse zu. All das trifft zumindest auf die eine Hälfte der Romanverfilmung zu. Die zweite Hälfte hat mit Märchen zwar noch immer zu tun, aber verliert vermutlich sogar bewusst das Flair, um seine eigene Geschichte zu erzählen. Die ist durchaus interessant und sehenswert, doch Struktur und Linearität sind verbesserungswürdig.

In Sachen Kameraumgang, Shot-Technik und Bildkomposition bemüht Goldman sich merklich. Technisch punktet der Film oft genug mit sanfte Melodien und flairigen Magieelementen, die auf emotions- sowie augenscheinlich verlauffiltergefärbte Bilder treffen. Problematischerweise ist das jedoch nicht durchgehend so. Das technisch Besondere geht hier und da verloren und die Märchenbilder wirken plötzlich eigenartig stimmungslos. Das wiederum passt zum Wechsel zwischen eigener Geschichte und vorgefertigter Märchengeschichte. Beides lässt den Film in seiner Gesamtheit aber ein wenig auseinanderfallen, da der magische Erzählmodus auf diese Weise nicht durchgehend gehalten wird. Goldmans Bemühungen, die Magie ein bisschen zu erden, stoßen einen unangenehm vor den Kopf und lassen die flairig phantastische Welt in der direkten Folge etwas satirisch wirken.

WINTER’S TALE ist kitschig, in weiten Teilen stereotyp und unvorteilhaft strukturiert. Zumindest aber sieht man einen Film wie ihn nicht alle Tage – Besonders ist die Romanverfilmung mit Sicherheit. Für Phantasten und Romantiker kann der Kinobesuch ein Erlebnis werden, denn so wie Propp Zaubermärchen seiner Zeit das immer gleiche Ende prophezeite, läuft auch WINTER’S TALE am Ende in etwa aus. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute – vielleicht sogar: Wenn sie auch gestorben sind, dann lieben sie noch heute.

by Sima Moussavian

Infos zu Winter's Tale
 
Kinostart13.02.2014
Länge118 Minuten
GenreFantasy/Romanze/Drama
Regie Akiva Goldsman
DarstellerColin Farrell,
Russell Crowe,
Jessica Brown Findlay,
Will Smith
u.a.
VerleihWarner Brothers
Punkte6/10

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