Transcendence

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Wally Pfisters TRANSCENDENCE ist zu unterkühlt inszeniert, um dem hochbrisanten Thema gerecht zu werden

Dr. Will Caster (Johnny Depp) gehört zu den führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Zusammen mit seiner Ehefrau Evelyn (Rebecca Hall) arbeitet er an einem Projekt, das Maschinen ermöglichen soll, menschliche Emotionen zu empfinden. Als eine Gruppe technikfeindlicher Extremisten einen Anschlag auf die Führungsetage des brisanten Forschungsprojekts verübt, werden zahlreiche Wissenschaftler umgebracht und Caster selbst mit radioaktivem Material vergiftet, so dass er nur noch wenige Tage zu leben hat. Evelyn will das nicht hinnehmen und wagt zusammen mit Freund und Kollege Max Waters (Paul Bettany) die Durchführung von Casters Forschungsarbeit am lebenden Objekt. Das Experiment funktioniert und Caster existiert von nun an als hochintelligenter Computer weiter, der zunehmend mächtiger und so bald zur großen Gefahr für seine Umwelt wird…

Bekannt wurde Hollywoods Kameramann Wally Pfister besonders durch die Zusammenarbeit mit Regisseur Christopher Nolan, die ihm unter anderem einen Oscar für INCEPTION einbrachte. Mit dem Science-Fiction-Drama TRANSCENDENCE gibt Pfister nun sein Regiedebüt und schafft es trotz des Starensembles um Johnny Depp nicht, dem Zuschauer die Charaktere und deren Handlungen glaubwürdig zu vermitteln. Das liegt zum einen an der Eindimensionalität der Figuren. So erfahren wir nicht viel von Dr. Will Caster, abgesehen von seiner Besessenheit Künstliche Intelligenz zu erschaffen – und als er dann selbst zum Computer mit Emotionen mutiert, spielt fast nur noch die negative Seite der technischen Entwicklung, also die Gier nach Macht, eine Rolle. Genauso verhält es sich mit den Nebenfiguren wie Max Waters, der dem Zuschauer schon im Prolog die Auswirkungen der dramatischen Ereignisse teilweise vorwegnimmt – seine Zweifel an Casters Arbeit münden in keinerlei tiefergehende Analysen. Und die Terroristen sehen sowieso alles eindimensional schwarz.

Ein weiteres Problem ist die unausgegorene Mischung aus gesellschaftskritischem Drama im Hauptteil der Erzählung und dem actionlastigen Finale, das irgendwie nicht ganz ins Gesamtbild passen will. Sicherlich sind die Schauplätze wie das riesige unterirdische Labor von Caster in der Wüste eindrucksvoll in Szene gesetzt. Auch so mancher Schachzug des Protagonisten kann sich sehen lassen, wenn er Menschen willenlos macht und in seine persönlichen Roboter-Soldaten verwandelt. Doch trotz einiger netter Specialeffekte und bis in die Nebenrollen mit Darstellern wie Rebecca Hall und Morgen Freeman top besetzt, kann TRANCENDENCE nicht überzeugen – auch weil Pfister seinen Figuren viel zu wenig mit auf den Weg gibt und sich in unwesentlichen Nebenhandlungen verliert, anstatt die wesentlichen Fragen über das Pro und Contra des technologischen Fortschritts ernsthaft zum Diskurs zu stellen.

by Stefan Huhn

Infos zu Transcendence
 
Kinostart24.04.2014
Länge120 Minuten
GenreScience Fiction/Drama
Regie Wally Pfister
DarstellerJohnny Depp;
Rebecca Hall;
Paul Bettany;
Morgan Freeman
u.a.
VerleihTOBIS Film
Punkte6/10

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