RoboCop

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José Padilha inszeniert das Remake von Paul Verhoevens Science Fiction-Klassiker ROBOCOP mit einigen neuen Akzenten, erreicht aber nicht die düstere Atmosphäre des Originals

Im Jahr 2028 werden von den USA hochentwickelte Roboter weltweit im Kampf gegen Verbrecher und Terroristen eingesetzt. Unangefochtener Marktführer der entsprechenden Technologie ist der OmniCorp-Konzern, dessen Chef Raymond Sellars (Micheal Keaton) im heimischen Amerika auf Misstrauen in Bezug auf die Androiden-Cops stößt. Um Politiker und Bevölkerung zu überzeugen, beauftragt Sellars Dr. Dennett Norton (Gary Oldman) eine Hybridform aus Mensch und Maschine zu entwickeln. Nach zunächst erfolgloser Suche fällt die Wahl auf den nach einem Anschlag schwer verletzten Cop Alex Murphy (Joel Kinnaman), der alle Kriterien für den Proto-Typ des Cyborgs erfüllt. Schon die ersten Einsätze beweisen, dass der sogenannte RoboCop ein echter Coup im Kampf gegen das Verbrechen ist. Doch dessen menschliche Vergangenheit lässt sich nicht so leicht auslöschen, was zu verehrenden Komplikationen führt…

Als hätte der niederländische Action-Spezialist Paul Verhoeven schon 1987 gewusst, dass auf das US-amerikanische Detroit harte Zeiten zukommen – gegenwärtig ist das Stadtbild von leerstehenden Häusern und Drogenkriegen gegenzeichnet – lässt er im Original-ROBOCOP einen Cyborg auf die Verbrecher eines gebeutelten Detroits der Zukunft los, der kompromisslos in der Unterwelt aufräumt. Dabei gehen düstere Bilder und satirische Gesellschaftskritik Hand in Hand – nicht zu vergessen die extremen Gewaltdarstellungen, die dem Kultfilm lange Zeit eine Indizierung einbrachte. Nach der Ankündigung des Remakes stand die große Fangemeinde dem Projekt durchaus skeptisch gegenüber und die Befürchtung, es könnte eine weichgespülte Mainstream-Produktion werden, wurde durch die FSK 12-Freigabe zusätzlich genährt. Was die Gewalt betrifft, so ist der neuaufgelegte ROBOCOP tatsächlich ziemlich blutleer – deutlich störender ist aber die Abwesenheit der bedrohlichen Stimmung des Originals.

Der Beginn ist noch recht vielversprechend: Regisseur José Padilha offenbart dem Zuschauer mit ausdrucksvollen Bildern eine Welt, in der Terroristen von scheinbar perfekt funktionieren Robotern das Handwerk gelegt wird. Dass die amerikanische Bevölkerung diese seelenlosen Polizisten aber nicht in ihrem eigenen Land agieren sehen will, bringt den TV-Moderator Pat Novak – und damit mit Samuel L. Jackson den ersten von vielen prominenten Schauspielern in Nebenrollen – auf den Plan. Novak plädiert für den Einsatz der Maschinen im eigenen Land und spielt so der Herstellerfirma Omni-Corp in die Karten. Bei der Wahl der Bösewichte fällt die Neuverfilmung allerdings gegenüber Verhoevens Version deutlich ab, denn auch wenn Michael Keaton den egozentrischen Konzern-Chef glaubwürdig verkörpert, reicht er doch nicht an die intriganten alten Männer der Vorlage heran, die sich auf übelste Weise gegeneinander ausspielen und deutlich überzeugender ihrer Profit-Gier ohne Rücksicht auf Verluste nachgehen. Das gilt auch für die Verbrecher von der Straße, denen der ROBOCOP hinterherjagt – die gemeinen Schurken des Originals, wie den anarchistischen Soziopathen Clarence Boddicker – genial verkörpert von Kurtwood Smith – sucht man hier vergebens.

Stark hingegen ist der Auftritt von Gary Oldman als Dr. Norton – sein Figur ist gekennzeichnet von der Ambivalenz zwischen Gut und Böse, da er vergebens versucht, seine Funktion als Wissenschaftler in Einklang mit seiner Moral zu bringen. Und wie steht es um den ROBOCOP selbst? Joel Kinnaman macht wie sein Vorgänger Peter Weller eine gute Figur und der Leidensweg seines Charakters lässt den Zuschauer Anteil nehmen. Dank zeitgemäßer Spezialeffekte ist der neue Look des Cyborgs natürlich ordentlich aufgemöbelt worden, aber irgendwie sieht er nun aus wie ein Superheld des Marvel-Universums und nicht mehr so authentisch wie der ursprüngliche ROBOCOP, der sich viel langsamer bewegt und so den Raum mit mehr Präsenz ausfüllt. Die gesellschaftskritischen Aspekte hingegen werden von Padilha überzeugend abgehandelt. Ethische Fragen hinsichtlich einer Welt, in der man Menschen zu Maschinen umfunktionieren will, finden ausreichend Platz. Das wird besonders in der Labor-Szene deutlich, in der ein Gitarrist erfolgreich versucht mit seiner Handprothese die Akkorde zu greifen – als die Finger abrutschen rät Dr. Norton, die Emotionen aus dem Spiel zu lassen, da diese die Funktionsweisen beeinträchtigen würden. Der neue ROBOCOP ist handwerklich gut gemacht sowie mit überwiegend passablen Darstellern besetzt, reicht aber nicht an das Original heran, und wirft einmal mehr die Frage auf, warum ein perfekter Film wie Verhoevens Meisterwerk unbedingt eine Neuauflage erfahren muss.

by Stefan Huhn

Infos zu RoboCop
 
Kinostart06.02.2014
Länge117 Minuten
GenreAction/Drama/Science-Fiction
Regie Jose Padilha
DarstellerJoel Kinnaman,
Gary Oldman,
Michael Keaton,
Samuel L. Jackson
u.a.
VerleihStudiocanal
Punkte6/10

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