Diana

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Oliver Hirschbiegels DIANA entführt in sehnsuchtsvollen Arrangements zu einem handwerklich durchdachten Ausflug in die Seele einer öffentlichkeitsgeplagten Frau, hätte dabei aber besser daran getan, sich nicht DIANA zu nennen.

“Über Recht und und Unrecht liegt ein Garten. Triff mich dort.” so drückte persischer Dichter Rumi es aus und so ordnete es Stephen Jeffreys dem Drehbuch zu seiner biografischen Romanze über, als hätte er gewusst, wie falsch die Interpretation der englischen Öffentlichkeit erscheinen würde. Die britischen Kritiken zerreißen die romantisierte Schilderung der letzten zwei Lebensjahre ihrer 1999 verunglückten Diana in der Luft, während Dianas ehemaliger Geliebter Hasnat Khan sich verweigert, die selbsternannte Biografie überhaupt anzusehen.

Verkörpert wird der pakistanisch-britische Herzchirurg in Regisseur Hirschbiegels Film von LOST-Star Naveen Andrews, der Khan als willensstarken Karrieristen und Liebhaber in Erscheinung treten lässt. In Diana findet er die Romanze seines Lebens, doch vom allsichtigen Auge der Öffentlichkeit gequält weist er die englische Prinzessin kurz vor ihrem Tod zurück. Bis zum Ende bleibt seine Darstellung etwas verhalten und unentspannt, als habe er sich unter dem Druck des Projekts kaum getraut, aus dem Schneckenhaus der Angemessenheit zu kriechen, das mit der Integration eines heute noch quicklebendigen Hauptcharakters einhergeht. Als Sympathieträger kommt er nach der Zurückweisung der gebrochenen Prinzessin nicht mehr infrage und obgleich seine Entscheidung dialogisch mit Sinn gefüttert wird, lässt er sie – vielleicht aus persönlichem Unverständnis – nicht sehr sinnvoll wirken. Dass die Sympathien für ihn sich schon durch seine Verhaltenheit kaum entwickeln, nimmt der Geschichte ein Stück der emotionalen Schlagkraft, die der Tragik des Ausgangs eigentlich inne wohnt.

Während der Plot an sich durchaus verbesserungswürdig erscheint und den Zuschauer durch das replayhafte Hin und Her zwischen Hasnat und Diana nach der ersten Hälfte des Films allmählich ermüden lässt, zieht Regisseur Hirschbiegel alle Register, um das Untransportierbare zu transportieren und das Seelenleben der labilen Prinzessin vor die Handlung treten zu lassen. In den Plotpausen, in denen die innere Welt durch sehnsuchtsvolle Licht-Arrangements und Musikautonomie vor die äußere tritt, wird Hasnat und Dianas Liebe tatsächlich in einer Sphäre über Recht und Unrecht dargestellt, in der fragwürdiger Biografierahmen, thematische Mutmaßungen und alberne Dialoge keine Rolle mehr spielen.

Die Wiederaufbereitung einer Tragödie ist mit dem Gedanken an Dianas Hinterbliebene inklusive Hasnat Khan schlicht rücksichtslos. Zum anderen hat sie im Falle von DIANA gefühlt die schauspielerischen Leistungen des Casts gebremst. Mit Verzicht auf seinen biografischen Anspruch und einer Generalüberholung des Liebesdialogs hätte die Romanze vielleicht zu einer ausnahmslos berührenden Liebestragödie avancieren können. Vor dem biografischen Hintergrund ist das leider nicht gelungen, trotzdem bleibt der Film einen Kinobesuch wert, denn stellenweise vernetzen sich Licht, Musik und Close-Ups zu einem Gefühl von Liebe, wie sie sein sollte – und schließlich zu einem Gefühl der verzweifelten Sehnsucht und Einsamkeit, wie sie filmisch am allerschwersten zu transportieren ist.

by Sima Moussavian

Infos zu Diana
 
Kinostart09.01.2014
Länge113 Minuten
GenreBiografie, Drama
Regie Oliver Hirschbiegel
DarstellerNaomi Watts,
Naveen Andrews,
Douglas Hodge,
Juliet Stevenson
u.a.
VerleihConcorde Filmverleih
Punkte6/10

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