Jackie Earle Haley Interview (“RoboCop”)

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Eins, zwei, Freddy kommt vorbei! – Nach dem Reboot des legendären NIGHTMARE ON ELMSTREET 2010 hört man bei dem Namen Jackie Earle Haley unwillkürlich die Messer der Kralle über die Wand quietschen. Da ist über bittersüße Träume beinahe in Vergessenheit geraten, dass der 52-Jährige schon seit 1977 in der Schauspielerei wirkt: Als Sechsjähriger erschien er zunächst in einer TV-Werbung, kurze Zeit später mischte er Fernsehserie WAIT TIL YOUR FATHER GETS HOME auf und auch sonst hat der Kalifornier sich nicht lumpen lassen: An mehr als 40 Produktionen war er bisher beteiligt, seit Jahren hat er mit JEH Productions seine eigene Produktionsfirma und 2006 punktete er mit seiner anspruchsvollen Darstellung eines Pädophilen in LITTLE CHILDREN haushoch bei den Kritikern. Verschlägt es ihn schon seiner Physiognomie wegen eher auf die dunkle Seite des Films, so hat es ihn nach WATCHMEN und DARK SHADOWS nun in die Rolle des Maddox verschlagen – seines Zeichens Robotertrainer in der ROBOCOP-Neuauflage. Für Haley ist die Neuinterpretation des 80er Jahre Kultfilms das zweite Reboot eines Klassikers innerhalb weniger Jahre. Eins, zwei – ja, bei uns kam der ehemalige Freddy vorbei, um über die modernen Technologien, Kriegsführung und sein Verständnis eines guten Reboots zu plaudern.


Gratulation zu ROBOCOP!

Danke! Ich bin sehr stolz darauf, ein Teil davon zu sein. Ich habe den Film selbst noch nicht gesehen und bin richtig aufgeregt auf das Endergebnis.

Nach NIGHTMARE ON ELMSTREET sind Sie damit schon im nächsten Reboot eines Kult-Films zu sehen. Was ist für ein gutes Reboot Ihrer Meinung nach entscheidend?

Zunächst der Film. Für mich ist ROBOCOP das perfekte Werk für ein Reboot, denn ich finde es fantastisch, einen damals derart einflussreichen Film wie diesen einer neuen Generation aufzubereiten. Ich glaube ein gutes Reboot sollte das Original auffrischen, so wie es sich bei ROBOCOP anbietet. In den 80ern war dieser Film ein Must-Have-Seen und ich habe ihn geliebt, aber heute sieht er rein optisch etwas überholt aus, denn heutzutage sind in Animation, Computergrafik und Filmtechnik derart gewaltige Fortschritte zu sehen, dass ein 80er Jahre Film damit nur schlecht mithalten kann. Gerade ein so actionhaltiges und technologisch inspiriertes Werk wie ROBOCOP neu aufzulegen, ist in der heutigen Zeit sehr naheliegend.

Wie hat sich der öffentliche Blick auf die ROBOCOP-Themen seit den 80er Jahren verändert?

Die Thematiken des Films sind Menschen heute deutlich bewusster, als noch während der 80er, weil sie zur Realität werden. Was damals fiktiv erschien, ist für die Menschen von heute längst sichtbar. Man kennt mittlerweile verschiedene Seiten der Technik und den Menschen ist klar, dass moderne Technologien mit der Kriegsführung interagieren: Besatzungslose Dronen hat man beispielsweise längst gesehen und auch die Privatisierung von Regierungsleistungen (Anm. d. Redaktion: Übertragung von Regierungsdienstleistungen und -besitztümern auf den privaten Sektor), die für ROBOCOP eine entscheidende Rolle spielt, findet in den USA immer häufiger statt. Für mich ist vor allem Letzteres ein wichtiges Thema, denn meiner Meinung nach wird damit ein riesengroßer Fehler begangen.

Wie empfinden Sie den technischen Fortschritt im Allgemeinen?

Für mich ist die moderne Technik beides: Der Fortschritt hat viele wundervolle, aber genauso viele beängstigende Seiten. Was zum Beispiel die nationale Sicherheitsbehörde heute tut, ist einschüchternd und extrem bedrohlich für eine Demokratie.

Nutzen Sie die “wundervollen” Seiten der modernen Technologie?

Ich nutzte die modernen Technologien durchaus. Ich bin beispielsweise auf Social Networks aktiv, aber das lediglich in Maßen: Ich poste zum Beispiel ein paar Dinge auf Twitter und spiele ein wenig herum, aber ich halte mich nicht allzu häufig damit auf.

Viele Menschen klagen heute darüber, dass sich ihr Leben nicht mehr real anfühlt. Was würde diese Surrealität für einen Krieg bedeuten?

Das Gefühl der Surrealität ist eine der wirklich bizarren Seiten des Fortschritts und die Frage nach der Bedeutung für einen Krieg ist absolut berechtigt und interessant. Wie fühlt es sich beispielsweise für die Piloten von unbemannten Dronen an? Sie steuern diese Geräte vom Boden aus und sitzen nicht darin. Fühlt sich das echt an? Zumindest verliert es deutlich an Realität. Die Vorstellung, dass wir plötzlich ganze Armeen von Robotern besitzen und dabei einen Teil unseres Realitätsgefühl verlieren, ist wahnsinnig beängstigend, nicht wahr?

Würden wir nur noch “unsterbliche” Maschinen in den Krieg schicken, wäre der Krieg dann je zu Ende?

Das ist ein guter Punkt: Ich gebe Ihnen Recht und glaube nicht, dass ein solcher Krieg je ein Ende hätte, da in einem Krieg der Roboter niemand mehr fallen würde.

Welche Auswirkungen hätte das auf eine Gesellschaft?

Wahrscheinlich hätte dieses Szenario durchaus Auswirkungen auf die Zivilgesellschaft, aber ich glaube, es würde sich ganz ähnlich anfühlen wie sich die Konfliktsituation in unserer Zeit anfühlt. Auch heute haben wir sozusagen ununterbrochen Krieg: Zwar sind immer andere Staaten involviert, aber Kriege sieht man, wohin man sich auch wendet.

Wichtige Themen von ROBOCOP sind neben Technik und Krieg Bewusstsein und Verantwortung. Lässt sich Bewusstwerdung trainieren, um verantwortungsvolleres Handeln zu initiieren?

Das ist eine schwere Frage, die ich kaum beantworten kann. Bewusstwerdung ist wahnsinnig komplex, denn zu Bewusstsein zu gelangen ist ein individueller Prozess, aber zugleich erfordert Bewusstswerdung die Bewusstmachung dessen, dass alle Menschen Individuen sind. Einig sind Menschen sich nie – das ist eines der natürlichsten Prinzipien der Welt. Wenn man sich zum Beispiel vorstellt, man setzt 10 verschiedene Menschen in einen Raum und stellt eine diskussionswürdig Problematik in den Raum, dann wird die eine Hälfte ihre Meinung haben und die andere wird an der gegenteiligen festhalten.

Im Film treten Sie als Murphys Trainer Maddox in Erscheinung. In früheren Interviews sagten Sie, dass Emotionen im Schauspiel immer aus den eigenen Erfahrungen gezogen werden sollten. Wie ist Ihnen das in diesem Fall gelungen?

Maddox wird auf der einen Seite von dem Gedanken angetrieben, dass es keine gute Idee wäre, einen Menschen in eine Maschine zu integrieren. Er arbeitet mit Tausenden von Robotern überall auf der Welt. Sie alle werden als Polizisten eingesetzt und er vertraut ihnen, weil er genau weiß, wie sie auf welche Situation reagieren. Mit einem Menschen in der Maschine kann er nicht mehr sicher sein, welcher Stimulus was auslösen wird. Robocop ist für ihn nicht mehr berechenbar und er verliert Kontrolle. Gleichzeitig will Maddox seinen Job erledigen. Er möchte Murphy bestmöglich auf seine Aufgabe vorbereiten, obwohl er die Sache dahinter ablehnt. Diese Zerissenheit kann ich durchaus nachfühlen.

by Sima Moussavian

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