Insidious: Chapter 2

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Uninspiriertes Horror-Sequel mit altbekanntes Versatzstücken von James Wan

James Wan ist zurück. Mit CONJURING – DIE HEIMSUCHUNG hat er erfolgreich an die Überraschungen seiner SAW-Zeiten anknüpfen können und dem Genre des Horrorfilms über eine Zusammenstellung aller atmosphärischer Spukelemente aus den vergangenen 50 Jahren alle Ehre gemacht. Neben radikalen, fast exploitationfilm-ähnlichen Folter-Inszenierungen beherrscht er wie in CONJURING offenbart offenbar auch die subtil stillen Töne der Furcht. Damit hat Wan ein Lernziel erreicht, das noch mit INSIDIOUS in weitere Ferne lag: Gib deinem übernatürlichen Wesen kein Gesicht, bleibe so abstrakt wie möglich und nutze materielle Accessoires und flüchtige Sinneseindrücke zur Spannungsgenerierung. Nachdem CONJURING fast wie eine Wiedergutmachung für den konventionellen und unfreiwillig komischen INSIDIOUS wirkte, war bis jetzt zu erwarten, dass Wan auch in INSIDIOUS 2 beweisen würde, dass er aus den Fehlern des ersten Teils gelernt hat. Wie man sagt, kann eine Entwicklung kaum verloren gehen, wenn einmal wirklich vollzogen, daher zeigt Wans Sequel zum mittelmäßig klischeehaften INSIDIOUS stellenweise tatsächlich die mit CONJURING erreichte Entwicklungsstufe. Zumindest die atmosphärischen Fehler, die er in INSIDOUS 1 noch machte, begeht Wan im Sequel nicht. Dafür tritt er nun in ein anderes Blutnäpfchen: In das gleiche, in das er schon mit seinem skurrilen DEAD SILENCE volle Breitseite geknallt ist.

Wan hat all das Können, das es für einen handwerklich hervorragenden Spukfilm braucht und sein Gespür für Inszenierungen des Grauens lässt sich nicht infrage stellen. Erst das Arrangement der Einzelelemente jedoch entscheidet über den Effekt des Films und anders als in CONJURING hat Wan sich für seine INSIDIOUS Fortsetzung mit dem Mittelmaß zufrieden gegeben. Ein wenig träge schleppt er seine Dramaturgie voran, sodass jene wenig sinnvolle Dynamik entwickelt. Von der interessanten Montage und den abwechslungsreichen Techniken, mit denen er die Handlungsstränge von CONJURING verwebt hat, kann in INSIDIOUS CHAPTER 2 nicht die Rede sein. Nach der ersten Hälfte streut er konventionell ein paar Found-Footage-Horror-inspirierte Video-Aufnahmen ein, die als Szenen an sich Grusel-Potenzial besitzen, jedoch derart im Zeittrend liegen, dass ihr kontextueller Rahmen sie banal wirken lässt.

Obwohl es Wan zuweilen gelingt, handfeste Spuk-Atmosphäre zu generieren, verliert er – siehe DEAD SILENCE – den Blut durchtränkt roten Faden des Grauens in befremdlicher Komik. Da hilft auch der große Knall gegen Ende nicht mehr viel, der ohnehin ein wenig albern wirkt. Das macht das Kraut nun auch nicht mehr fett, denn Wans Story hat bis zu jenem Punkt ohnehin längst ein gutes Drittel ihres Drives verloren. Eine tatsächliche Entwicklung zur Handlung des ersten Teils ist nur stellenweise zu erkennen, wobei der Zuschauer, der den Vorgänger gesehen hat, der Story des Sequels wahrscheinlich annähernd genauso wenig folgt, wie jemand, der ihn nicht kennt. Das hört sich per se nicht schlecht an, doch ist die Fortsetzung nicht absichtlich unabhängig vom Ursprungsteil, sondern die Story driftet so deutlich Richtung Humbug, dass jegliches Wissen über die Vorgeschichte irrelevant wird.

NSIDIOUS CHAPTER 2 wirkt wie eine skizzenhaft halbherzige Übung für CONJURING, die Wans Erfolg des Jahres atmosphärisch annähert, jedoch nur über eine Generalüberholung mit dessen narrativer Seite mithalten könnte. Wer von CONJURING jedoch nicht mehr genug bekommen kann, der kann sich Wans vorbereitendes Training in Sachen Spuk Interesse halber gerne ansehen.

by Sima Moussavian


Infos zu Insidious Chapter 2
 
Kinostart17.10.2013
Länge106 Minuten
GenreHorror
RegieJames Wan
DarstellerPatrick Wilson,
Rose Byrne,
Barbara Hershey,
u.a.
VerleihSony Pictures
Punkte5 / 10

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