Grossstadtklein

Mit “Grossstadtklein” versucht sich Regisseur Tobias Wiemann mit mäßigem Erfolg an einer ‘Coming of Age’-Komödie.

Ole (Jacob Matschenz) lebt unbekümmert in einem kleinen Kaff in Mecklenburg-Vorpommern. Seine Freizeit verbringt der Jugendliche mit Moped-Rennen, bei denen seine Kumpel Ronny (Kostja Ullmann) und Marcel (Pit Bukowski) stets mit von der Partie sind. Oles Opa Karl (Heinz W. Krückeberg) hat aber ganz andere Pläne mit seinem Enkel. Damit aus ihm etwas Vernünftiges wird, arrangiert der Großvater ein Praktikum in Berlin. Nur widerwillig begibt sich das Landei in die Hauptstadt. Dort wird er von seinem ebenfalls wenig begeistert Cousin Rokko (Klaas Heufer-Umlauf) aufgenommen. Das Blatt wendet sich zu Oles Gunsten, als er die durchgeknallte Fritzi (Jytte-Merle Böhrnsen) trifft und sich prompt verliebt. Doch Fritzi ist gar nicht so unbeschwert, wie es zunächst scheint…

Die Liebesgeschichte in “Grossstadklein” ist durchaus stimmig inszeniert: Der Junge aus der Provinz gerät an die Verrückte aus der großen Stadt. Die dadurch entstehenden Konflikte und Entwicklung der Figuren werden dem Zuschauer glaubwürdig vermittelt. Demgegenüber ist das andere Thema des Films – der ausgiebige Familienzwist zwischen Oles und Rokkos Familie – viel zu überspitzt dargeboten und mit etlichen Klischees versehen. Was zudem nicht funktioniert ist der Humor. Die plumpen und infantilen Witze über Intimrasur und Homosexualität wurden bei anderen Genre-Vertretern schon deutlich origineller in Szene gesetzt.

Wenn einer der Darsteller diesbezüglich Punkten kann, ist es der TV-Moderator Klass Heufer-Umlauf in seiner ersten größeren Filmrolle. Seine trockenen Sprüche sorgen wenigsten ab und an für einen gewissen Charme. Die anderen Schauspieler agieren bestenfalls solide. Es verwundert schon, wenn ein gestandener Darsteller wie Tobias Moretti durch totales Overacting in seiner Rolle als Proletarier so gar nicht an frühere Leistungen anknüpfen kann. “Grossstadtklein” kann also nur gelegentlich mit gefühlvollen Momenten glänzen. Aber auch da sind andere deutscher Vertreter wie Jan Ole Gersters fabelhafter “Oh Boy”, der ebenfalls von einer Sinnsuche in Berlin handelt, um Längen besser.

by Stefan Huhn


Infos zu Grossstadtklein
 
Kinostart15.08.2013
Länge98 Minuten
GenreKomödie
RegieTobias Wiemann
DarstellerJacob Matschenz,
Jyutte-Merle Böhrnsen,
Klaas Heufer-Umlauf
u.a.
VerleihWarner Bros.
Punkte5 / 10

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