Don Jon

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Mit seinem Regie-Debüt DON JON liefert Joseph Gordan-Levitt eine charmant augenzwinkernde Selbst- und Zeitsatire mit interessanten Charakteren und fabelhafter Besetzung, deren narrative Konventionalität einziges Hindernis der absoluten Selbstbefriedigung sind.

Geht ein Schauspieler in die Regie und besetzt sich selbst in eine eigens erdachte Rolle, dann stehen für gewöhnlich entweder fehlende Rollenangebote oder große Gedanken dahinter. Für Joseph Gordon-Levitt ist es definitiv Zweiteres gewesen, denn der 32-Jährige hat sich mit dem Konzept zu DON JON die beste Rolle seiner bisherigen Karriere kurzerhand selbst gestrickt: Die eigens konstruierte Persona bereitet ihm mit der wenn auch wenig subtilen Stellungnahme zum eigenen Image nicht nur offensichtliche Darstellungsfreude, sondern steht ihm gleichzeitig auch noch überraschend gut. Als naiv-ignoranter Bodybuilder Jonny, der jede Frau abschleppen kann und das wahre Glück trotzdem bloß durch Selbstbefriedigung zu Internet-Pornos erlebt, sollte Gordon-Levitt so einige seiner menschlichen und darstellerischen Ambitionen befriedigt haben können.

Die gute Nachricht: Der frischgebackene Regisseur spielt und inszeniert jede Szene mit charmantem Augenzwinkern und verleiht seiner sport- und pornosüchtigen (Wahnsinns-)Figur eine humorvolle Sympathie, wie sie Charaktere eines vergleichbaren Kalibers in der Filmgeschichte nur selten ausgestrahlt haben. All das spricht im selben Maße für Gordon-Levitts Darstellungstalent, wie es seinen Sinn für Charakter-Konzepte und ihre Inszenierung beweist. Mit Scarlett Johansson als Jonnys aktuelle Errungenschaft Barbara hat der Regie-Einsteiger bei seinem Debüt auch noch das aktuelle “Sexiest Woman Alive” für sich gewonnen, der das Spiel mit dem eigenen Image mindestens genauso viel Freude bereitet, wie Gordon-Levitt selbst. Als Dritte im Bunde sitzt Oscar-Preisträgerin Julianne Moore im Boot der Independent-Komödie. Dass jene in jeder ihrer Rollen volle Präsenz und Hingabe an den Tag legt, ändert sich auch mit ihrer Darstellung von Jonnys Abendschulbekanntschaft Esther nicht, sodass zumindest besetzungstechnisch nicht das Geringste zu beanstanden ist.

Etwas anders steht es um Narration und technisch Seite. So mutig die Thematik auf den ersten Blick nämlich auch erscheinen mag, so zurückhaltend hat Gordon-Levitt sie stellenweise umgesetzt. Auf Teufel komm raus auf den Putz hauen tun Story, Schnitt oder Kamerahaltungen nicht. Zwar beweist Gordon-Levitt Witz und komdödiantisches Feingefühl, arg viele narrative und technische Konventionalitäten bleiben dabei jedoch Mittelpunkt der Geschichte. Die satirische Komponente auf das Technologiezeitalter beispielsweise hätte gut noch ein paar Ecken und Kanten vertragen können. Selbiges gilt für den Dreh in der Story, der konventionell ins abgetragen Dramatische führt.

Zumindest die Charaktere behalten durchgehend ihre Ecken und Kanten, wobei vor allem die fabelhaften darstellerischen Leistungen des brillianten Casts Spaß an der Sache machen. Nur in dem ein oder anderen Arrangement nimmt Gordon-Levitt sich und seinen Charakterkonzepten die Luft zum Atmen. Das sei ihm verziehen, wo es sich doch noch immer um seinen Erstling handelt.

by Sima Moussavian

Infos zu Don Jon
 
Kinostart14.11.2013
Länge90 Minuten
GenreKomödie
RegieJoseph Gordon-Levitt
DarstellerJoseph Gordon-Levitt,
Scarlett Johansson,
Julianne Moore
u.a.
VerleihAscot Elite
Punkte7/10

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