Die Tribute von Panem: Catching Fire

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Mit CATCHING FIRE avancieren DIE TRIBUTE VON PANEM zu einer etwas abgetragenen Gesellschaftskritik, der es an der poetischen Detail-Liebe des Vorgängers fehlt

An den vergangenen Teil knüpft CATCHING FIRE ohne Probleme an: Als Überlebende der letzten Tribute werden Peeta (Josh Hutcherson) und Katniss (Jennifer Lawrence) vom Volk als Helden gefeiert. Eine Rebellion steht bevor, denn durch den Sieg der beiden Jugendlichen fühlen die Bewohner der Distrikte sich ermutigt, dem brutalen Präsidenten Snow (Donald Sutherland) zu trotzen und sich gegen physische und psychische Folter zu erheben. Der Revolutionsgedanke seines Volks geht selbstverständlich nicht ungesehen an Snow vorbei: Als Gegenmaßnahme fasst er den Entschluss, ein Exempel zu statuieren und den neuen Kampfgeist der Bürger im Keim zu ersticken, indem er die beiden hoffnungsspendenden Sieger des Vorjahres entgegen aller Regeln abermals als Tribune an den Start zu schickt. Was der erste Teil der Saga unterschwellig angedeutet hat, wird damit vom zweiten Teil als handlungsmotivierendes Moment herangezogen: Die totalitäre Herrschaft von Snow, seine brutalen Methoden und der Revolutionsgedanke sind determinierende und allgegenwärtige Komponenten des Films. Die neue Konzentration auf die gesellschaftskritischen Aspekte der Saga ist durchaus logisch und ebenso loblich, nur atemberaubend innovativ ist die Kritik an der totalitären Staatsführung nicht mehr. Überwältigende Science-Fiction Inszenierungen, wie DISTRICT 9 und dessen Nachfolger ELYSIUM machen es allen zukünftigen Filmen mit derartigen Komponenten nur noch schwerer.

Dass der Funke von CATCHING FIRE nur zögerlich überspringen will, liegt nicht allein an der abgetragenen Kritik-Komponente, sondern noch spürbarer an der fehlenden Poetik der Inszenierung. Kamera-Settings und Montage bleiben bis auf ein paar wenige Momente in Gewöhnlichkeit stecken, wo man sich gerade von einer Fortsetzung etwas Experimentierfreude wünschen würde. Der erste Teil der Saga bot einem an jeder Ecke kreative Details wie die durchdringend pfeifenden Vögel, mit deren Hilfe die Tribune einander Signale übermitteln. Gerade durch jene Detail-Liebe wurde die Welt der Tribute zu einer authentischen, schlüssigen und ergreifend eigenen Dimension, die einen kontinuierlich ins Staunen versetzen konnte. Mit der Fokussierung der kritischen Aspekte verliert sich nun unglücklicherweise die Liebe zum Detail, da sich die ursprüngliche Poetik des filmischen Universums auf die kühle Brutalität der totalitären Herrschaft reduziert. Wo die TRIBUTE VON PANEM schon von Mut erzählen, sollten alle noch folgenden Teile doch bitte den Mut zur Unkonventionalität aufbringen, denn ein Sequel, das nichts riskiert, wirkt zuweilen etwas ermüdend.

Für den vorausgegangenen Teil entbrannte der Zuschauer mitunter wegen der vortrefflichen Inszenierung der Kämpfe. Leider will man für die Kampf-Sequenzen der Fortsetzung wenig Feuer fangen, da die Darstellung der eigentlich namensgebenden Duelle radikal gekürzt wurde, um dem neuen Fokus der Regime-Kritik Platz zu machen. Zumindest wird zweitjüngster Oscar-Preisträgerin Jennifer Lawrence damit genügend Raum zugestanden, die Totale ihrer darstellerischen Fähigkeiten auszuspielen. Anders als in so manch einem anderen Sequels versumpfen die Charaktere der Tribute so zumindest nicht in Statik, denn für Entwicklungen, Transformationen und einen emotionalen Layer sorgt schon das fähige Cast aus Hutcherson, Lawrence und Sutherland. Nicht viel mehr als ihnen ist es zu verdanken, dass der Film sich trotz vorwiegender Durchschnittlichkeit über den Durchschnitt erheben kann, denn für ihr gekonntes Zusammenspiel entflammt man in der ein oder anderen Minute durchaus.

by Sima Moussavian

Infos zu Die Tribute von Panem: Catching Fire
 
Kinostart21.11.2013
Länge146 Minuten
GenreFantasy/Action/Drama
RegieFrancis Lawrence
DarstellerJennifer Lawrence,
Liam Hemsworth,
Josh Hutcherson
u.a.
VerleihStudiocanal
Punkte6 / 10

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