Der Medicus

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Aufwändige Literaturverfilmung, die auf der einen Seite mit imposanten Bildern und passablen Darstellern aufwarten kann, der aber andererseits aufgrund unnötiger Längen oftmals die Spannung abhanden kommt

Im England des 11. Jahrhunderts verliert der kleine Rob Cole (Adam Thomas Wright) seine Mutter, die an den Folgen einer Blinddarmentzündung stirbt. Von nun an auf sich alleine gestellt, schließt sich der Junge einem fahrenden Bader (Stellan Skarsgard) an. Robs Ziel ist es, sich möglichst viel Erfahrungen in der Heilung von Menschen anzueignen. Da der Bader allerdings nur über äußerst dürftiges medizinisches Wissen verfügt und seine Patienten gelegentlich auch mit Quacksalberei täuscht, trennt sich sein Schützling von ihm, um im weit entfernten Persien sein Glück zu suchen. Dort soll nämlich der legendäre Medicus Ibn Sina (Ben Kingsley) die hohe Schule der Medizin lehren. Doch schon die beschwerliche Reise in den Orient macht Rob deutlich, dass er einen langen, gefahrenvollen Weg vor sich hat…

Noa Gordons im Jahre 1986 erschienener Historien-Roman “Der Medicus” verkaufte sich allein in Deutschland über sechs Millionen Mal, während er in dem Heimatland des US-Amerikaners bei weitem nicht so gut aufgenommen wurde. Es kommt also nicht von ungefähr, dass sich mit Philipp Stölzl nun ein deutscher Regisseur an das Projekt herangewagt hat. Für internationales Flair sorgt die Darsteller-Riege – allen voran natürlich Sir Ben Kingsley in der Rolle als titelgebender Medicus. Rein optisch kann sich das Ergebnis auch wirklich sehen lassen – so gelingt es Stölzl die Atmosphäre des Mittelalters mit stimmungsvollen, düsteren Bildner einzufangen, wodurch die Not der gebeutelten Unterschicht des mittelalterlichen Englands für den Zuschauer zum Greifen nahe ist. Dabei scheut die Kamera auch nicht davor, direkt draufzuhalten, wenn Zähne gezogen und Zehen amputiert werden.

Auch die Darstellung der beiden weiteren Abschnitte der Inszenierung – die weite Reise und die Geschehnisse im Zielort Persien punktet mit eindrucksvollen Bildern der Landschaft sowie mit detailreich in Szene gesetzten Aufnahmen der Städte und Paläste. Weniger erfreulich hingegen sind die Längen und die gelegentliche Oberflächigkeit der Inszenierung. So ist der Weg durch den Orient recht langatmig geraten und die Schlüsselmomente wie der Wüstensturm, dem sich Robs Karawane erwehren muss, recht spannungsarm. Auch die Romanze des Reisenden mit der schönen Rebecca (Emma Rigby) gibt nicht das her, was ihr Konfliktpotential verspricht. Stimmig hingegen sind das Aufeinandertreffen Robs mit dem Medicus, sowie seine folgende Ausbildung und die Auseinandersetzungen zwischen Religion und Wissenschaft – und damit einhergehend Kämpfe zwischen Persern, Juden und Christen.

Die Darstellerleistungen in “Der Medicus” können sich ebenfalls sehen lassen – vom schmierigen Bader in Person von Stellan Skarsgard, über den wirklich überzeugenden Newcomer Tom Payne, der die Titelfigur Rob im Erwachsenenalter verkörpert, bis hin zum zweiten Hauptdarsteller Ben Kingsley. Der verleiht seiner Figur wie schon im Biopic “Gandhi” eine unglaubliche Präsenz und trifft die selbstsichere Ruhe des Protagonisten genau auf den Punkt. Zudem dürfen sich Elyas M’Barek-Fans über eine solide gespielte Rolle des Deutschen als Medizinstudent freuen. Die Vielschichtigkeit der Figuren der Romanvorlage erreicht die Kino-Adaption zwar nicht, aber das ist bei dem über 800 Seiten umfassenden Bestseller von Noa Gordon auch nicht verwunderlich.

by Stefan Huhn

Infos zu Der Medicus
 
Kinostart25.12.2013
Länge155 Minuten
GenreAbenteuer
RegiePhillip Stölzl
DarstellerTom Payne,
Ben Kingsley,
Stellan Skarsgard
u.a.
VerleihUniversal Pictures
Punkte6/10

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