Der Lieferheld – Unverhofft kommt oft

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Unverhofft kommt dieses Kinojahr etwas zu oft: Hat Regisseur Lee mit BATTLE OF THE YEAR vergangenen Monat den eigenen Film neu aufgelegt, so tut Ken Scott selbiges nun mit seinem LIEFERHELD und wie schon Lees Hommage an die eigene Person funktioniert auch Scotts kommerzialisiertes Remake der eigenen Geschichte nur schwer.

Ein 40 Jahre alter Samenspender trifft auf ein halbes Tausend Samenbank-Sprösslinge, die ihren Vater kennen lernen wollen – so oder ähnlich hat der Pitch zu Scotts STARBUCK gelautet und so oder ähnlich lautet auch der Pitch zu seinem LIEFERHELD. Alle, die beim Lieferservice immer dasselbe bestellen, werden mit dem Film überglücklich sein, denn mit dem Loslassen tut Scott sich scheinbar schwer, wo er seine überholte Story doch so gut wie unverändert für einen zweiten Durchlauf ins Rennen schickt. Im Hang zur Kommerzialisierung verliert er dabei trotz seinen wenigen Abweichungen vom Original jedoch komischerweise den eigenwilligen Charme der triefenden Pathetik und himmelhohen Übersteigerung , der den Vorgänger trotz krummer Geschichte und fehlender Authentizität ausgemacht hat. Die augenzwinkernde Märchenweltwendung des STARBUCK-Protagonisten transformiert mit dem LIEFERHELD zu einem scheinbar ernst gemeinten Resozialisierungs-Happy-End, das mit dem Verlust des Augenzwinkerns die Daseinsberechtigung verliert.

Die wenigen Sequenzen, die Scott an seiner Geschichte verändert hat, fehlen in der Neuauflage und was er übernommen hat, hätte gut und gerne überarbeitet werden können. Das Scott sogar seine Kamerahaltungen und Dialoge in weiten Teilen beibehält, perfektioniert das Eigenlob, mit dem sein stures In-die-eigenen-Schritte-Treten den Film von oben bis unten bespritzt. Lichtblick im gleichmäßig dahin dümpelnden Altbekannten sind die Schauspieler. Vaughn-Fans werden sich mit Scotts Komödie vergnügen, denn in der Rolle des sinnsuchenden Totalversagers mit der zickigen Freundin und der hohen Samenproduktion macht er sich dank einer Mischung aus Albernheit und verstörend echter Ernsthaftigkeit wirklich gut. HOW-I-MET-YOUR-MOTHER-Star Cobie Smulders darf als genervte Freundin in Erscheinung treten und fungiert zumindest als Publikumsmagnet, wenn sie in der Rolle der kritisierenden Zicke auch etwas unterfordert wirkt. Dafür darf Chris Pratt als Symbol des ultimativen Chaos einige seiner schauspielerischen Farben ausspielen.

Was tun, um aus einer einzigen, guten Idee so viel Geld wie möglich heraus zu holen? Kostengünstig mit noch unbekannten Schauspielern erstverfilmen, für ein erstes Remake ins europäische Ausland verkaufen und kurz darauf selbst noch einmal auflegen – dieses Mal mit publikumssicheren Gesichtern und weichgespülter Story. Wer STARBUCK gesehen hat, wird mit dem LIEFERHELD ermüden, denn nicht einmal Vaughns komödiantischem Charme gelingt es, der neu aufgelegten Geschichte die nötige Frische zu geben. Nur gut, dass die Story beim ersten Mal eine wirklich gute Idee war, denn so liefert der LIEFERHELD zumindest Mittelmäßigkeit ab.

by Sima Moussavian

Infos zu Der Lieferheld - Unverhofft kommt oft
 
Kinostart05.12.2013
Länge103 Minuten
GenreKomödie
RegieKen Scott
DarstellerVince Vaughn,
Cobie Smulders,
Chris Pratt
u.a.
VerleihConstantin Film
Punkte5/10

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