Der Hobbit – Smaugs Einöde

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Durch seine atemberaubende Detailfülle fühlt sich SMAUGS EINÖDE anders als sein Vorgänger alles andere als öde an. Jackson löst sich mit dem Hobbit-Sequel von Tolkiens Vorlage und gibt seinem Film-Epos in abwechslungsreichen Kamerafahrten, schneller Geschwindigkeit und frei zugänglichen 3D-Panoramen die poetisch-düstere Eigenständigkeit eines Märchen-Meisterwerks.

Nach einem kurzen Flashback-Einstieg zur Aufmerksamkeitslenkung und Plotvorbereitung startet SMAUGS EINÖDE anders als sein Hobbit-Vorgänger ab ovum: Protagonisten und Zuschauer befinden sich ohne ermüdende Umwege inmitten der bildstarken Action, mit der sich Jackson schon in seiner HERR-DER-RINGE-Interpretation bewiesen hat. Die Verbindung zum Vorgänger wird als direkter Anschluss an dessen Cliffhanger realisiert, sodass dem Zuschauer langwierige Schilderungen von übersprungener Zeit erspart bleiben. Statt schon während der Handlungsvorbereitung zu ermüden, wird man durch Jacksons schnelle Geschwindigkeit animiert, die Reise zu Drachen Smaug mit jeder Faser des eigenen Körpers mitzuerleben.

In abwechslungsreichen Kamerafahrten und spektakulären 3D-Bildern wirft uns Jackson in eine detailverliebte Traumwelt, die jede Sekunde zum Alptraum werden kann. Als Blick des Zuschauers macht er das Kameraauge zu einem dynamisch unruhigen, das einem die Angst vor der lauernden Gefahr in die Knochen fahren lässt. Die Poetik, mit der Tolkiens Welt mal aus Birds-Eye-Perspektive, mal in unendlich erscheinden Wide-Shots geschildert wird, verliert sich auch dann nicht, als im Kampf die Köpfe rollen und die Pfeile kraftvoll durch die Luft zischen. Mit all ihren Details und einfallsreich ausgestalteten Bewohnern wird Mittelerde zum eigentlichen Protagonisten der Geschichte, dessen Interaktion mit den Figuren eine mitreißende Dynamik entwickelt. Anders als im Vorgänger hat jedes Element von Jacksons filmischer Welt in SMAUGS EINÖDE seine Daseinsberechtigung und sorgt für atmosphärische Wechsel, Gesamtzusammenhang oder Figurendynamik. Nur stellenweise verliert man durch die faszinierende Ausführlichkeit von Mittelerde den Blick für das Zusammenspiel der tatsächlichen Protagonisten. Nichtsdestorotz gelingt es zumindest Martin Freeman, seinen Charakter mit der Vielfarbigkeit auszustatten, die visuell den gesamten Film bestimmt.

In schneller Geschwindigkeit jagt Jackson den Zuschauer in Fässern sitzend durch reißende Flüsse, über tödlich tiefe Schluchten hinweg und durch mörderische Kämpfe hindurch. Abschluss findet die gemeinsame Reise nicht: Abermals lässt der Regisseur uns mit einem Cliffhanger zurück, der nicht nur den Hobbit an den Rand der Verzweiflung treibt. Etwas verwirrend bleibt dabei der Titel SMAUGS EINÖDE, da Smaug zwar gefunden wird, das tatsächliche Aufeinandertreffen mit dem Drachen jedoch deutlich weniger ausführlich gestaltet ist, als die vorausgegangenen Abenteuer. Da das zweite Sequel vermutlich aber erneut direkt an die Handlung des aktuellen Teil anknüpfen wird, ist verschoben in diesem Fall hoffentlich nicht aufgehoben.

Aufgehoben hat Jackson mit SMAUGS EINÖDE dafür die starre Orientierung an den Spuren Tolkiens. So frei hat er die Stoffe des epischen Meisters bisher nie verarbeitet und so befreit und energiegeladen hat sich seine eigene Kunst bis dato selten angefühlt. SMAUGS EINÖDE reißt aus dem öden Alltag und liefert Stoff für genauso märchenhafte wie düstere Träume.

by Sima Moussavian

Infos zu Der Hobbit - Smaugs Einöde
 
Kinostart12.12.2013
Länge161 Minuten
GenreFantasy
RegiePeter Jackson
DarstellerMartin Freeman,
Ian McKellen,
Andy Serkis
u.a.
VerleihWarner Brothers Pictures
Punkte8/10

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