David Garrett Interview (“Der Teufelsgeiger”)

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München stand am Donnerstag ganz im Zeichen des Teufels(-geigers): Bernard Roses stilisierte Paganini-Biografie mit Star-Geiger David Garrett feierte Premiere im Mathäser Kino. Wie der 32-jährige Garrett uns im Interview verrät, war der Film für ihn von Anfang an ein Herzensprojekt, wenn er die Schauspielerei auch nicht weiterverfolgen möchte. Dass der Musiker den Medienrummel um die eigene Person gewohnt ist, bleibt während unseres Gesprächs durchgehend spürbar. Damit von den Journalisten ja keiner aus der Reihe tanzt, hat er gleich 3 seiner Manager mitgebracht. Nötig wäre das eigentlich nicht gewesen, denn auch Garrett selbst hat die Presse gut im Griff. Allzu viel scheint er nicht von sich verraten zu wollen, doch das ist nicht weiter tragisch, denn kennenlernen kann man einen Musiker wohl am besten über die Musik. Wem unser Interview also nicht ausreicht, der fühle sich dazu aufgefordert, den Soundtrack zum TEUFELSGEIGER zu kaufen, der seit 25.10.2013 zu haben ist und Garrett als Meister der Stilmischung erkenntlich werden lässt. Nun aber erst mal zum Interview…


Was hat Sie an dem Projekt am meisten begeistert?

DER TEUGELSGEIGER war von Anfang an ein Herzensprojekt, das es mir ermöglicht hat, gleichzeitig in mehreren, grundverschiedenen Bereichen tätig zu werden. In allererster Linie war mir der Soundtrack wichtig. Die Schauspielerei war eine willkommene Zugabe. Nicht zu unterschätzen ist, dass ich mit Bernard Rose über Monate sehr intensiv am Drehbuch geschrieben habe. Darüber hinaus hatte ich, was die Instrument-Auswahl anging, eine wichtige Funktion auf Seiten der Produktion. Mir war sehr wichtig, dass zeitgemäß auf Darmsaiten gespielt wird und weder Schulterstützen noch Kinnhalter benutzt werden, da die erst lange nach Paganinis Zeit etwa Mitte des 19.Jahrhunderts erfunden wurden. Ich durfte für die einzelnen Szenen Instrumente auswählen und ich habe mich dafür eingesetzt, dass Paganinis Instrumente möglichst authentisch wirken. Ich habe von einem befreundeten Geigenbauer eine wunderbare Kopie von Paganinis Originalinstrument erhalten, die sich visuell sehr nahe an der Realität bewegt. Zwar mögen einige der Produzenten den Begriff nicht, aber für mich war das Projekt durchaus historisch.

Schauspielerei oder Musik?

Dieser Film war für mich eine einmalige Geschichte. Ich habe mein Leben lang Musik gemacht und will auch in Zukunft damit weitermachen. Ich hätte auch an diesem Projekt nicht mitgewirkt, wenn ich den Soundtrack nicht hätte arrangieren dürfen. Das ging für mich Hand in Hand.

Haben Sie in Ihrer Karriere je die Lust verloren?

Es ist ganz normal, dass man manchmal keine Lust hat. Man ist ja auch Mensch und wenn etwas passiert, das einen belastet, möchte man eben in Ruhe gelassen werden. Bessere Zeiten werden immer von schwierigeren Zeiten abgelöst und wenn der Erfolg gerade auf sich warten lässt, dann zweifelt man mehr an sich und ist für den Gedanken anfälliger. Wenn alles läuft ist es leichter, einen schlechten Tag wegzustecken.

Ist es Ihnen als Solokünstler schwer gefallen, sich für den Film von einem Regisseur führen zu lassen?

Ich muss immer viel mit Menschen zusammenarbeiten und wenn ich zum Beispiel eine Fernsehproduktion habe, dann gibt es auch dort einen Regisseur. Ich kommuniziere ständig mit anderen Menschen und tausche mich kreativ mit ihnen aus. Bernard Rose habe ich 8 oder 9 Monate vor den Dreharbeiten zum Film kennengelernt. Wir haben uns manchmal gestritten, aber im Großen und Ganzen war unsere Zusammenarbeit von Anfang an eine sehr harmonische. Wir haben teilweise ganze Wochen am Stück auf Schloss Elmore verbracht, um Ideen auszutauschen. Dabei kommt man sich sehr nahe und lernt einander sehr gut kennen. Wir kannten die Ecken und Kanten des anderen deshalb schon vor den Dreharbeiten genau, was unserer Interaktion am Set sehr entgegen gekommen ist.

Haben Sie Schauspielunterricht genommen?

Bernard hat mir davon abgeraten, aber ich habe es trotzdem gemacht. Eine der Produzentinnen hat mir jemanden empfohlen, sodass es in meiner Hand lag, es zu initiieren oder eben nicht. Da ich lieber zu viel tue, als zu wenig, war das für mich eine klare Entscheidung, auch wenn Bernard es nicht von mir gefordert hat

Braucht es für eine erfolgreiche Künstlerkarriere ein Stück Besessenheit?

Ohne Besessenheit funktionieren viele Dinge im Leben nicht, obwohl ich das Wort als etwas zu negativ konnotiert empfinde. Ich würde es wohl eher Arbeitsfreude oder Leidenschaft nennen. Man sollte lieben, was man tut – die Arbeitsfreude ergibt sich dann von selbst. In vielen Berufen arbeitet man einem Ziel entgegen und konzentriert sich über längere Zeit auf eine Sache, sodass man die Realität für eine gewisse Zeit verliert.

Woher nehmen Sie die Stärke, bei der Sache zu bleiben? Gibt es da einen Ausgleich?

Wenn man seine Arbeit liebt, dann braucht man keinen Ausgleich. Stärke nimmt man aus persönlichen Erfolgen, wobei damit nicht unbedingt erfolgreiche Konzerte, sondern die kleinen Dinge während des alltäglichen Arbeitsprozesses gemeint sind. Erfolg bei einem Konzert ist nur das Ergebnis eines erfolgreichen Arbeitsprozesses und kann einen nicht überraschen, da man ja weiß, wie man gearbeitet hat. Deswegen ist für mich persönlicher Erfolg eher das Erarbeiten und Verstehen eines Stückes zusammen mit dem Instrument – von der Originalpartitur bis über die Phrasierung. Alltägliche Kleinigkeiten geben mir die Motivation weiterzumachen.

Paganini hat, wie der Film zeigt, in Opiaten einen “Ausgleich” gefunden…

Süchte sind ja nie ein Ausgleich, sondern einfach nur die negativen Seiten einer Person. In Paganinis Fall kommt dazu, dass er nicht einfach drogensüchtig war, weil ihm Drogenkonsum Spaß gemacht hat. Der Film thematisiert es nicht genau, aber er ist an Syphilis erkrankt und die damalige Methode gegen die Krankheit war eine Quecksilberbehandlung. Sein Körper hat auf die Behandlung reagiert und ihm sind die Zähne ausgefallen, sodass man ihm Opiate verabreicht hat, um die Schmerzen zu unterdrücken. Ein körperliches Leiden hat ihn in eine medizinische Abhängigkeit gedrängt. Das macht für mich einen großen Unterschied zu “gewöhnlichen” Sucht-Thematiken.

Nichtsdestotrotz unterstellt man Künstlern gerne ein erhöhtes Suchterkrankungsrisiko. Warum?

Ich glaube nicht, dass Künstler für Süchte grundsätzlich anfälliger sind. Drogenkonsum entsteht nicht durch einen bestimmen Status oder Beruf, aber wenn Fritz Müller irgendwelche Drogen konsumiert, dann interessiert das eben niemanden. Steht man dagegen in der Öffentlichkeit, dann interessieren die Leute sich für alle positiven und negativen Seiten der eigenen Person. Vor allem Schwächen werden interessant, weil das Menschliche an einer berühmten Persönlichkeit darüber betont werden kann. Davon lebt nicht zuletzt die Presse.

Welche Schwächen von Paganini teilen Sie?

Das ist schwer zu sagen, denn der Paganini, den wir im Film zeigen, ist eine fiktive Figur. Auch ich habe mit Sicherheit meine Schwächen, aber ich habe ein Team um mich herum geschaffen, das einige meiner Schwächen korrigiert. Wäre ich alleine unterwegs, dann hätte ich noch viele Fehler mehr.

Der Film deutet an, dass wir den Teufel in uns tragen. Wie lässt er sich kontrollieren?

Kontrollieren lassen sich unsere inneren Teufel und Dämonen nicht. Wir hadern immer mit uns und machen uns mit dem eigenen Handeln oft das Leben schwer. Das Wissen darüber kann uns zumindest helfen, unsere Dämonen und Teufel zu akzeptieren. Wenn man etwas Negatives wiederum akzeptiert, dann ist man automatisch ein Stück weiter. Sich nicht als perfekt anzusehen ist immer eine Verbesserung. Wir sind alle fehlbar und wenn wir uns das nicht bewusst machen, dann haben wir ein Problem. Zumindest ab und zu sollten wir anderen Menschen zuhören. Sogar dann, wenn wir denken, dass sie nur Mist erzählen, ist manchmal etwas Ordentliches dabei.

Verbildlicht wird der Teufel im Film als Manager, an dem Paganini zerbricht. Erfordert eine Manager-Künstler-Beziehung Regulierungen?

Man muss mit Sicherheit in einigen Momenten regulieren. Einmal im Jahr überlegt man, wie das Jahr gelaufen ist. Stellt man fest, dass es zu viel oder zu wenig war, dann lernt man aus der Erfahrung. Körper und Geist zeigen einem ja auch irgendwann Grenzen auf. In einer solchen Situation ist es nur intelligent, eine Veränderung durchzusetzen und mit den Menschen zu reden. Das kann schwierig sein und vielleicht nehmen die Leute einen nicht immer ernst oder denken nur daran, dass sie weniger Geld verdienen, wenn man weniger arbeitet. Einem Freund ein “Nein” zu geben fällt immer schwer. Man sollte aber immer zwischen tatsächlichen Freunden und Geschäftspartnern differenzieren. Obwohl sie sich so anfühlen sind, 99,9 Prozent aller Geschäftsbeziehungen keine Freundschaften. Wenn man das bedenkt, dann fällt es leichter, “Nein” zu sagen.

Sind Ihnen eigentlich Freunde aus der Jugend geblieben?

Nein. Meine Geschwister sind mir geblieben, aber ich hatte Privatunterrichts und daher selten direkten Kontakt mit Gleichaltrigen.

Wie Paganini werden Sie gerne als Womanizer bezeichnet. Geht Ihnen das auf die Nerven?

Die Womanizer-Sache sagt man mir nach, aber ich höre davon meist nur in Interviews und bekomme außerhalb wenig davon mit, deshalb ist es eher amüsant für mich. Wenn ich doch Womanizer-Qualitäten habe, dann bemerke ich es selbst kaum. Ich sehe das neutral, denn es gibt viele Dinge, die mir etwas bedeuten, mit denen ich etwas verbinde oder die mir etwas geben, aber diese Qualität gehört nicht dazu.

by Sima Moussavian

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