Da geht noch was

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Was muss ein Film tun, um einem so richtig auf die Nerven zu fallen? Eine pathetische Moral konstruieren und jene mit herablassender Lehrhaftigkeit und aufdringlicher Absolutät vermitteln. Das hört sich für DA GEHT NOCH WAS nicht besonders gut an? Mal locker bleiben – da liegt ein Missverständnis vor. Mit sympathischen Schauspielerin in Alltagsmilieu kann die einfache, Wahrheit der zuweilen höchst dramatischen Komödie durchaus überzeugen.

Etwas irreführend ist die Genreeinordnung von Haases Kinofilmdebut als “Drama” mit humoristischen Sequenzen. Wenn man das reale Alltagsleben mit all seinen Leiden und Freuden aber ein Drama nennen möchte, wie es beim guten, alten Goethe angefangen Millionen von Menschen tun würden, dann kommt die Bezeichnung auch für DA GEHT NOCH WAS hin. Denn genau das ist es, was der deutsche Familienfilm zeigt: das Leben, unbeschönigt und erfrischend wenig übersteigert. Familiäre Probleme und gemäßigte Slapstickmomente inklusive. Da wird Henry Hübchen als Vater und Großvater Carl schon mal von einem Gepächwagen umgehauen oder fällt zum Abschluß eines stimmig getimten Zwists folgenschwer auf die Nase. So koventionell und stereotyp man eine Situationskomik jener Art zunächst nennen möchte, muss man schließlich zugeben, dass sie egal wie oft gesehen noch immer einen Lacher wert ist.

Bei all der Authentizität dürfen selbstverständlich auch realitätsnahe Zeitprobleme nicht fehlen. So macht Florian David Fitz als Conrad eine Bewusstwerdung durch, an deren Ende er seinen eigenen Identitätsverlust und seine Definierung über sämtliche Äußerlichkeiten erkennt. Da ist Conrad auf der Flucht vor dem eigenen Inneren, wie sie in der Moderne nur allzu oft der Fall ist, doch tatsächlich an einem Lebensimage stagniert, das ihn am Leben hindert. Intelligenterweise stellt DA GEHT NOCH WAS Conrads surreale und kalte Traumwelt als Auswuchs einer Werbe- und Konsumgesellschaft vor. Dass die Krankheiten der Moderne nur allzu oft in Technologie- und Konsumgesellschaft verankert sind, ist eine durchaus aktuelle Erkenntnis, die dem Film einen Hauch von Zeitzeugencharakter gibt. So haben Technologien faktisch dazu geführt, dass man – im ständige Handy- und PC-Kontakt mit der ganzen Welt – den Kontakt zu einander und zum eigenen Selbst verliert, was Haase über Conrads Charakter subtil in Generationenkonflikt und Familiendramatik eingearbeitet hat. Nur allzu gut, dass die portraitierte Familie schließlich voneinander zu lernen lernt und transformiert. Dabei ergeben sich einige freundschaftlich vermittelte Lehren: Leben ist hier, Leben ist jetzt. Sehnsucht zu leben hindert zu leben. Gedanken und Pläne sind veränderlich und sollten zuweilen losgelassen werden. Real und Bleibend ist nur Zwischenmenschlichkeit. Jeder kann dem anderen Lehrer sein, wenn sich um Bewusstsein und Offenheit bemüht wird. Nicht das Außen zählt, sondern das Innen. Hektik verhindert Leben, Ruhe und Besinnlichkeit fördern Zufriedenheit.

Das alles und vieles mehr kristallisiert sich aus dem mal unterschwellig dramatischen, mal humoresken und zeitparodistischen Generationenkonflikt von Conrad und Co heraus. Pathetisch wirken die Erkenntnisse dabei glücklicherweise nicht, wenn man sich auch schon hundert mal gehört hat. Wissen ist nicht gleich Weisheit und eine Erkenntnis gehört haben ist nicht gleich sie erfahren haben. DA GEHT NOCH WAS zeigt, wie zwei Männer die erwähnten Lehren von Wissen im Kopf zu Weisheit im Herzen transformieren. Das ist lobenswert und wahrscheinlich der Grund, aus dem die vielfältigen Erkenntnisse des Filmes den Bereich “klischeehaft” smart umschiffen. Wer die schließliche Lösung des Konflikts als etwas sehr einfach bezeichnen möchte, der kann das begründeterweise tun, denn tatsächlich löst Hübchen die Differenzen auf einfachem Wege auf. Tatsächlich aber wussten schon Menschen wie Einstein, dass derjenige, der ein Probleme verkompliziert, sich immer weiter von seinem Ursprung entfernt. In ihrem Kern sind Probleme wie die in DA GEHT NOCH WAS dargestelltem vielleicht also einfach einfach und für den Willigen dementsprechend leicht zu lösen.

Bis zum Ende fließt DA GEHT NOCH WAS als angenehm anzusehender Familienfilm dahin, der durch seine Authentizität und Ehrlichkeit berühren kann. Nur an ein paar wenigen Stellen kommt der Fluß von Haases locker authentischem Konzept ins Stocken und verliert sich in Albernheit, die mit dem doch so angenehm wenig übertriebenen Rest des Filmes bricht. Für ein Kino-Film-Debüt sei das verziehen, so auch die etwas sterile Shottechnik und Bildsprache. Die Welt verändern wird DA GEHT NOCH WAS wahrscheinlich nicht, doch soliden Schauspielleistungen, herzerwärmender Moral und der eigenen Bescheidenheit sei dank schafft es das Drama doch mindestens zu gutem Durchschnitt.

by Sima Moussavian

Infos zu Da geht noch was
 
Kinostart17.09.2013
Länge101 Minuten
GenreDrama/Komödie
RegieHolger Haase
DarstellerFlorian David Fitz,
Henry Hübchen,
Leslie Malton
u.a.
VerleihConstantin Film
Punkte6/10

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