Conjuring – Die Heimsuchung

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  Handwerkliches Meisterwerk der Dunkelheit, der Beängstigung, des subtilen Old-School-Horrors


Man sagt, jedes Haus erzähle eine Geschichte. Ein Sprichwort, das SAW-Regisseur James Wan seit seinem Haunted-House Thriller “Insidious” offenkundig am Herzen liegt. Mit der dunklen Vergangenheit eines waschechten Spuk-Hauses beschäftigt sich auch sein aktueller Horror-Streifen “Conjuring – Die Heimsuchung” – um “Insidious” weit zu überflügeln. Kaum eine Geschichte dürfte an die Dunkelheit, die Beängstigung, die Schwärze heran reichen, mit der “Conjuring” die seine erzählt. Im Stil eines handwerklich vortrefflichen Studio-Amityvilles berichtet Wan von einer angeblich realen Geschichte über Dämonen und Teufelsbeschwörungen, Geisterjäger, dunkle Präsenzen, und Spuk. Mitten darin Oscar-Preisträgerin Vera Farmiga – ein verdienter Oscar, wo ihre bloße Mimik am wohl dunkelsten erzählt.

Die Perrons führen ein beschauliches Leben in der Kleinstadt Harrisville. Beschaulich, bis sich übernatürliche Phänomena häufen. Die aus einschlägigen Horror-Streifen bekannten Warrens, Experten des Paranormalen, werden in die alte Bauernstube der Perrons gerufen, um sich auf die Suche nach der übernatürlichen Präsenz zu machen. Finden tun sie genug. Nicht “Found Footage”, nicht “Paranormal Activity”, auch keinen “Devil Inside”. “Conjuring” ist kein Gore, sondern klassischer Horror der alten Schule. Mit wenig Blut und sparsamen Effekten orientiert sich Wan am subtil atmosphärischen Spuk der späten 70er. Türen, die aufschwingen, Dunkelheit – ein Lichtblitzen. Türen die zu schwingen, Dunkelheit – ein Streichholz. Türen, die auf und zu und auf und wieder zu schwingen – Dunkelheit. Unlokalisierbares Atmen, schwere Schritte, sich nähernde Bedrohung. Ein alter Schachtelteufel und greifbare Genre-Bezüge durch materielle Accessoires. Man gebe ein bisschen von Wans Puppen-Horror aus “Dead Silence” hinzu und vermenge all das mit dem Beschwörungsstrang seines “Insidious”. “Conjuring” ist ein Film nach dem Motto Altes+Altes = Neues.

Gezeigt wird nur, was der Glaubwürdigkeit zu Liebe gezeigt werden muss. Versteckt bleibt dabei alles, das sinnvollerweise versteckt werden kann. Die ruhelose Kamera verbreitet das dabei entstehende Gefühl des Unwohlseins noch ein Stück. Geh da nicht hin! Tut das nicht! Und doch gehen sie hin und doch tun sie es und dann erfüllt sich die unermessliche Spannung, das unermesslich Fürchterliche geschieht. Was sich klischeehaft anhört und an einen Old-School Thriller voller Stereotype der 70er Jahre erinnert, ist weder das eine noch andere. Ja, Kontinuität mit dem Genre besteht, ja, Klischees werden aufgegriffen, doch nutzt Wan jene nicht im Sinne von Klischees, denn dutzende Horrorklischees miteinander rekombiniert ergeben das Gegenteil alles Klischeehaften. Ergeben etwas Neues, etwas Gewaltiges und Fürchterliches. Ergeben einen bewussten Old-School Thriller mit moderner Sensibilität, mit Respekt vor seinem Genre und Respekt vor dem Übernatürlichen. Der Bedrohung hat Wan schon aus jenem Respekt heraus kein Gesicht gegeben und erfahrungsgemäß wird eine gesichtslose Bedrohung als umso bedrohlicher empfunden.

So vorhersehbar “Conjuring” dabei storytechnisch auch wirken mag, bleibt sein Horror in seiner Umsetzung doch immer spannend. Man füge einen interessanten Montageprozess, einen narrativ ausgefallenen Schnitt und einen blutdürstigen Soundtrack schwerer Atmosphäre hinzu und erhält ein filmisches Meisterwerk der Dunkelheit, der Beängstigung, des subtilen Horrors. Die unbändige Angst vor dem Unsichtbaren, die Angst vor der Angst, das ist Wans “Conjuring” und seine dunkle Satansgeschichte.

by Sima Moussavian

TRAILER


Infos zu Conjuring - Die Heimsuchung
 
Kinostart08.01.2013
Länge110 Minuten
GenreHorror
RegieJames Wan
DarstellerVera Farmiga,
Patrick Wilson,
Ron Livingston
u.a.
VerleihWarner Bros. Pictures
Punkte8 / 10