Carrie

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In den vergangenen 12 Monaten mussten alle Fans des klassischen Horrors so einige Enttäuschungen ertragen: Angefangen bei NIGHTMARE ON ELMSTREET und aufgehört bei HELLRAISER wurde der Markt mit Neuverfilmungen von einschlägigen Horrorstreifen überschwemmt, die gegen das Original kaum Chancen hatten. Für NIGHTMARE ON ELMSTREET ging es vergleichbar gut aus – Narration und Flair zumindest wurden nicht zum Albtraum, wenn Robert Englund als Freddy Krueger auch unersetzlich blieb. Das HELLRAISER Reboot dagegen bereitete jedem Hellraiser-Kenner wortwörtlich die Hölle auf Erden. EVIL DEAD konnte beweisen, dass es auch anders geht – den Ursprungsfilm hatte das Remake mit sinnvollen Modfikationen sogar überflügelt. Mit CARRIE steht die nächste Horror-Neuauflage mit klassischen Wurzeln an, wobei die Erstverfilmung des Romans mehr als ein viertel Jahrhundert zurück liegt. Die Stephen King Geschichte von der Rache einer jugendlichen Außenseiterin mit schwieriger Beziehung zur eigenen Mutter hat vor Dekaden Filmgeschichte geschrieben und das szenische Repertoire des Horrorfilms geprägt. Mit jenem schweren Erbe läuft die CARRIE-Neuauflage in Gefahr, sich neben Hellraiser-Reboot und Co in die Riege der Remake-Enttäuschungen einzureihen.

Die Atmosphäre der Erstverfilmung kann die Neuverfilmung in der Tat nicht wiederherstellen. Wahrscheinlich war das auch gar nicht das Ziel, doch dass die Neuauflage eher dramatisches Charakter-Porträt ist, als Psychothriller, wird den ein oder anderen mit Sicherheit enttäuschen. Konventionelle Technologie- und Pädagogik-Kritik zur Stoff-Modernisierung in allen Ehren, doch geht dabei unglücklicherweise ein Großteil der Düsterheit verloren, die schon den Stephen King Roman ausmachte. Carries Rache an den Peinigern fällt im Remake nun relativ milde aus. Da ein blutüberströmtes Massaker am Ende mit dem Charakter-dramatischen Fokus des Films gebrochen hätte, lässt sich die Entscheidung zu sparsamer Brutalität jedoch nachvollziehen.

Genauso wenig wie die Grundatmosphäre kann die Neuauflage des Klassikers den Effekt wiederherstellen, den die Totale einer blutüberströmten Carrie vor ein paar Dekaden gehabt hat. Mittlerweile haben auf die dramatische Szene bis hin zu den Simpsons derart viele Humor-Beiträge Bezug genommen, dass der Inszenierung schon fast eine satirische Konnotation hinterlegt ist. Das wirkt sich auf den höchst dramatischen Schlüsselmoment negativ aus, sodass die Neuverfilmung wahrscheinlich besser daran getan hätte, die legendäre Szene stärker vom Original zu entfremden.

Das große Plus der Neuverfilmung sind die bemerkenswerten Darstellungen von Chloe Grace Moretz und Julianne Moore. Moretz verleiht ihrer ausbrechenden Carrie eine Anziehungskraft und Eigenheit, die einem durchgehend unter die Haut geht, während Moore sich für die Dreharbeiten offensichtlich willig dem Wahnsinn ausgeliefert hat. So übt sie sich gekonnt im Irrsinn der psychischen Folter, verliert dabei jedoch niemals die emotionale und motivische Ambivalenz, die ihre gebrochene Figur auszeichnet und sie immer wieder in solchen Selbsthass versinken lässt, dass sie selbstzerstörerische Verhaltensweisen an den Tag legt. Grundsätzlich treten in der Neuauflage alle Charaktere als mehrschichtige, dramatische Figuren in Erscheinung, die weder rein böse sind, noch ausschließlich gut. Damit wird die Verfilmung zumindest dem Protagonisten – Antagonisten – Spiel gerecht, das schon von Kings originaler Story angelegt wurde.

Die neue CARRIE wurde modernisiert, sie ist vielschichtig, brillant gespielt und daher durchaus einen Kinogang wert – solange man nicht mit Splattermomenten oder düsterer Suspense-Atmosphäre im Zeichen der Erstverfilmung rechnet.

by Sima Moussavian

Infos zu Carrie
 
Kinostart05.12.2013
Länge100 Minuten
GenreHorror
RegieKimberly Peirce
DarstellerChloe Grace Moretz,
Julianne Moore,
Gabriella Wilde
u.a.
VerleihSony Pictures
Punkte6/10

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